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litra. Vor genau 150 Jahren begann der Eisenbahnbau in Brasilien. Von Anfang an mit dabei waren Rollmaterialhersteller aus der Schweiz. Mit der Erstellung von Bahnlinien sollte in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Süden und der Nordwesten mit dem Zentrum von Brasilien verbunden und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung gefördert werden. So begann vor 150 Jahren der Bahnbau; die Konzession für die erste Strecke wurde im Jahre 1852 erteilt. Nach einer Bauzeit von zwei Jahren wurde die 16 Kilometer lange Strecke von Estrella in der Umgebung von Rio de Janeiro in Richtung der damaligen kaiserlichen Sommerresidenz am 30. April 1854 eröffnet. Die Regierung unterstützte ab 1870 den Bahnbau mit der Gewährung langer Konzessionsfristen und der Zahlung von staatlichen Subventionen. Die weitgehend voneinander isolierten Bahnen dienten damals vor allem dem Transport landwirtschaftlicher Exportgüter (wie Kaffee, Zucker, Baumwolle, Getreide und Kakao) an die Küste sowie von Importgütern. Im Jahr 1889, dem Ende des brasilianischen Kaiserreichs, umfasste das Bahnnetz insgesamt 9583 Kilometer. Im 20. Jahrhundert erfolgte ein Weiterbau, so dass im Jahr 1954 die grösste Ausdehnung mit respektablen 37’190 Kilometern erreicht wurde. Wichtige Rolle im Güterverkehr Der Marktanteil der Bahnen am Güterverkehr betrug 1997 rund 21 Prozent; 56 Prozent entfiel auf den Strassenverkehr, 19 Prozent auf die Schifffahrt und 4 Prozent auf Rohrleitungen. Heute befördern die Güterzüge vor allem Eisenerz, flüssigen Treibstoff, landwirtschaftliche Produkte und Zement. Der Personenverkehr ist hingegen weitgehend zum Erliegen gekommen; mit dem Personenverkehr im Gebiet der Städte (einschliesslich U-Bahnen) befassen sich lokale Unternehmungen. Mit der Bildung des Gemeinsame Marktes (Mercosul) zwischen Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien im Jahr 1991 (seither ist als assozierter Staat auch Chile hinzugekommen) haben auch die Gütertransporte von Brasilien in die umliegenden Länder an Bedeutung gewonnen, wenn auch die verschiedenen in Südamerika üblichen Spurweiten (1000 mm, 1435 mm, 1600 mm und 1676 mm) den durchgehenden Transport oft erschweren. Auch in Brasilien wird privatisiert Ab 1995 begannen auch in Brasilien Privatisierungstendenzen, das sogenannte «Programa Nacional de Desestatização (PND)», um die Verantwortung für den öffentlichen Verkehr vom Staat an die einzelnen Provinzen, Städte, Gemeinden und die Privatindustrie zu übertragen. So wurde beispielsweise die bisherige mächtige staatliche RFFSA (Rede Ferroviária Federal S.A.) mit ihren 12 Regionaldirektionen in sechs Gesellschaften aufgegliedert. Insbesondere bezüglich Sicherheit wurden den neuen Gesellschaften strenge Auflagen gesetzt: So haben die neuen Gesellschaften die Zahl der Unfälle innert den ersten fünf Geschäftsjahren um 40 Prozent zu reduzieren; in einem Einzelfall wurden sogar 65 Prozent vorgegeben. Wie dem kürzlich publiziertem statistischen Jahrbuch «Anuário Estatístico das Ferrovias do Brasil 2001» zu entnehmen ist, befassen sich heute insgesamt 15 Unternehmen mit dem überregionalen Eisenbahnverkehr (siehe Tabellen 1 und 2). Die bestehenden 28’556 Kilometer (Stand 2000) teilen sich wie folgt auf die verschiedenen Spurweiten auf:
| Spurweite | Streckenlänge | | 1000 mm | 23’048 km | | 1435 mm | 199 km | | 1600 mm | 4’768 km | | 1000 und 1600 mm | 541 km | | Total | 28’556 km | Davon sind lediglich 880 km doppelspurig angelegt. Von den 1872 existierenden Lokomotiven stehen 1664 tatsächlich in Betrieb. Dazu kommen 11 Dieseltriebwagen, 256 Reisezugwagen, 56’543 Güterwagen und 3’404 Privatwagen. Erfreulicher Produktionszuwachs im 1. Halbjahr 2001 Im ersten Halbjahr 2001 konnten fünf Gesellschaften mit einem erstaunlichen Produktionszuwachs aufwarten: So stieg die Anzahl der erbrachten Tonnenkilometer beispielsweise bei der FERRONORTE S.A. um 147 Prozent und bei der FERROBAN um 44 Prozent. Die Entwicklung steht aber nicht still. Das Verkehrsministerium (Ministério dos Transportes) ist nicht mehr direkt für die Aufsicht über die Bahnen zuständig, sondern dafür sorgt die seit Februar 2002 bestehende «Agência Nacional de Transportes Terrestres (ANTT)». Diese Stelle ist bezeichnenderweise auch nicht im Ministerienquartier untergebracht, sondern in einem Bürogebäude im Stadtzentrum. Der «Gerente Ferroviário», Marcus Almeida, informierte die LITRA Ende Juli 2002 anlässlich eines Gesprächs über den aktuellen Stand des Eisenbahnwesens von Brasilien. Das Schwergewicht wird weiterhin auf den Güterverkehr gelegt, während die Durchsicht der im «Cook Overseas Timetable» vermerkten Strecken für den Personenfernverkehr dem «Gerente Ferroviário» im Rahmen eines Treffens immer wieder die Bemerkung «suspenso» [aufgehoben] entlockte. Kasten
Schweizer Fabrikat nach schweizerischen Vorschriften litra. Weltbekannt ist Rio de Janeiro nicht nur für den Karneval und die Copacabana; weltbekannt ist auch der Corcovado mit der Christusstatue. Die am 1. Januar 1885 eröffnete vier Kilometer lange Bahn erleichtert den Zugang zu diesem Aussichtspunkt. Die in Meterspur nach dem System Riggenbach angelegte Zahnradbahn wurde 1910 vom Dampfbetrieb auf Drehstrombetrieb umgestellt. Damals lieferte die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur und die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) drei zweimotorige Zahnradlokomotiven; zehn Jahre später folgte eine vierte Lokomotive. Auch das seit 1979 im Einsatz stehende Rollmaterial stützt sich auf eine bewährte schweizerische Konstruktion, dienten doch die Doppeltriebwagen der Gornergratbahn als Vorbild. Mit der Lieferung von sieben Triebwageneinheiten wurde die SLM für den mechanischen Teil und die BBC Aktiengesellschaft Brown, Boveri & Cie. in Baden für den elektrischen Teil beauftragt. Auf Wunsch der brasilianischen Bahnverwaltung wurden die Fahrzeuge gemäss den Vorschriften des (damaligen) Eidgenössischen Amtes für Verkehr gebaut. Moderne Metro in Brasília litra. Sehr gut funktioniert in der Hauptstadt Brasília die 2001 von der «Companhía do Metropolitano do Distrito Federal» in Betrieb genommene Metro, welche die beiden Linien Central–Samambala und Central–Praça do Relógio aufweist und einen äusserst sauberen Eindruck hinterlässt. So werden beispielsweise alle Züge an der Endstation «Central» jeweils einer Innenreinigung unterzogen. Aufgefallen sind auch die Streckenpläne in Blindenschrift. Ausserhalb des Stadtzentrums wird die Metro oberirdisch geführt. Sechs Stationen im Stadtgebiet sind erst im Rohbau erstellt und sollen später in Betrieb genommen werden. Zudem ist eine Verlängerung von Praça do Relógio nach Ceilândia geplant.
Zugfahrt mit Gratis-Predigt litra. Ein ganz gewöhnlicher Werktagnachmittag in Fortaleza (eine Zweimillionenstadt im Nordosten des Landes). Nach einigem Herumfragen finden wir das imposante Stationsgebäude «Professor João Felipe», wo zwei Linien in die Vororte führen. Der Fahrplan ist recht einprägsam aufgebaut: Beide Strecken werden im Halbstundentakt betrieben. Bezahlt wird bei einem Kassenhäuschen am Perroneingang; der Fahrpreis von umgerechnet etwas über dreissig Rappen wird dort entrichtet, worauf sich das Drehkreuz bewegen lässt. Auf dem Perron haben sich schon viele Fahrgäste eingefunden, die aber den Schatten unter den Perrondächern aufsuchen. Bald trifft der Zug - mit Diesellok und vier Personenwagen - ein und nach dem Umfahren der Lokomotive gehts auf die Reise. Im Wageninnern sind an den beiden Längsseiten Bänke angebracht; alle Fenster sind angesichts der hohen Temperaturen (offiziell ist im August zwar Winter...) geöffnet. Bei den mit Halbbarrieren gesicherten Bahnübergängen lässt der Lokomotivführer kräftig die Pfeife ertönen, aber der Lärm wird erfolgreich übertönt von der Stimme eines Predigers, der (mit einer dicken Bibel in den Händen) in grosser Lautstärke den Passagieren eine Predigt hält. So treffen wir - auch wenn wir nicht viel mehr vom Text verstehen als das immer wiederkehrende «Alelúia» - nach gut halbstündiger Fahrt an der 16 Kilometer entfernten Endstation Aracapé ein, wo die Reisenden in die bereitstehenden Autobusse umsteigen. Wir erfrischen uns an einer Kokosmilch und kehren eine halbe Stunde später wieder nach Fortaleza zurück, diesmal wohlbehütet durch einen bewaffneten Bahnpolizisten, der im Wagen mitfährt. Wie die in Fortaleza erscheinende Zeitung «O Povo» berichtet, kommt der Umbau der heutigen Eisenbahnstrecke in eine moderne Metrolinie gut voran. Bereits 2003 soll als Probestrecke die Linie zwischen der heutigen Endstation Aracapé und Vila das Flores in Betrieb genommen werden. Inzwischen ist der grösste Teil des neuen unterirdischen Traces im Stadtzentrum im Rohbau erstellt. Dank der Mithilfe der Weltbank soll auch die zweite bestehende Vorortslinie von Fortaleza nach Caucaia grundlegend modernisiert werden
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