deutsch français
Home Sitemap Kontakt drucken weiterempfehlen suchen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Bereits 262 Bedarfsangebote

Flexibler Einsatz des öffentlichen Verkehrs

litra. Rufbusse, Buxi, Allo?Bus, PubliCar, Flexi-Boat, Bus sin dumonda und CasaCar – mit all diesen verschiedenen Bezeichnungen wird in der Schweiz jenes System benannt, das die Vorteile des öffentlichen Verkehrs mit dem bedarfsgerechten Einsatz der Fahrzeuge kombiniert. Seit der Einführung ist ein markanter Zuwachs dieser Angebote festzustellen: Waren es zu Beginn Mitte 1993 noch rund 30 Rufbus-Angebote, so können heute 262 Angebote auf Buslinien, Seilbahnen, Schiffen und Fähren auf (telefonischen) Abruf benützt werden. Das Angebot hat sich also mehr als verachtfacht, wobei allein im letzten Jahr 15 neue Bus- und drei neue Seilbahnangebote hinzugekommen sind. Erstmals ist auch ein Rufschiff im Einsatz, und zwar auf dem Vierwaldstättersee.

Nach einem bedächtigen Start hat der Gedanke der Rufbusse nun auch in der Schweiz Fuss gefasst: Waren Mitte 1993 noch rund 30 Bedarfsangebote bekannt, so bestehen nun genau 262 Angebote auf Buslinien, Seilbahnen, Schiffen und Fähren. Dazu kommt noch rund ein Dutzend städtischer und regionaler Rufbusse. Erstmals ist im Offiziellen Kursbuch auch ein Rufschiff vermerkt, und zwar auf dem Vierwaldstättersee: Jeweils an Samstagen verkehrt der Schiffskurs 401 (Treib ab 6.44, Brunnen an 6.51 Uhr) nur auf telefonische Voranmeldung.

Auch der öffentliche Verkehr muss stets darnach trachten, den Betrieb auf möglichst kostengünstige Art abzuwickeln. Dazu kommt, dass dünn besiedelte Gebiete, die bisher auf einen Anschluss an den öffentlichen Verkehr verzichten mussten, jetzt mit bedarfsgerechten Angeboten ebenfalls erschlossen werden können. Haben sich 1993 noch die Kantone Luzern, Aargau und Graubünden als eigentliche Pioniere der Rufbus-Idee hervorgetan, so ist dieses System heute in der ganzen Schweiz auf Erfolgskurs. Mit der vermehrten Verbreitung der Mobiltelefone ist der Zugang zu den Bedarfsangeboten stark erleichtert worden. Auch die Bahn 2000 setzt auf den Bedarfsbus, denn schliesslich kommt es auf die ganze Transportkette an.

PubliCar auf dem Vormarsch
Insbesondere bei Postauto Schweiz hat die Idee der Rufbusse unter dem Markenzeichen «PubliCar®» eine starke Ausbreitung erfahren. Nach ersten Pilotversuchen ab 28. Mai 1995 in den Regionen Oron (VD) und Frauenfeld West (TG) kamen seit dem 1. Juni 1997 auch die Regionen Ajoie (JU) und March-Linth hinzu. Dazu gesellten sich der Rufbus Bucheggberg (BE/SO) sowie das PubliCar-Angebot im Raum Sargans/Walenstadt. Seit Ende Mai 1999 bestehen zudem neue PubliCar-Angebote in den Regionen Grandson, Yverdon, Echallens, Thierrens, Sursee, Frauenfeld (Sonnenberg), Weinfelden (Nollen und Göögelland) und La Brévine. Im Jahr 2000 sind neu die PubliCar-Angebote Delémont, Brigerberg, Simplon Süd und Appenzell hinzugekommen. Seit dem Fahrplanwechsel vom Sommer 2001 stehen weitere PubliCar-Angebote im Waadtland und im Thurgau zur Verfügung. Und seit Mitte Dezember 2002 bestehen auch PubliCar-Kurse in den Regionen La Côte, Orbe, Payerne, Avenches und Oberegg–Reute (Nachtbus). Beim PubliCar wird der Fahrgast innerhalb des definierten Gebiets von Tür zu Tür befördert. Der Kunde hat dabei lediglich seinen Fahrwunsch via Gratis-Telefonnummer der Dispositionszentrale zu melden. Zum normalen öV-Tarif bezahlt der Benutzer einen Zuschlag. Den Rufbusangeboten sind im Offiziellen Kursbuch (gelber Teil für die Autobusse) ab Seite 2800 insgesamt 19 informative Seiten gewidmet. Zudem vermittelt die Rückseite der dem gelben Kursbuchteil beigelegten Schweizerkarte Informationen über die Einsatzgebiete und die Telefonnummern der Rufbusse.

Auch Bedarfs-Seilbahnen, Fähren und Schiffe
Neben den Autobussen bieten aber auch einige Seilbahnen gewisse Früh- und Spätfahrten auf entsprechende Voranmeldung an. Drei Seilbahnen im Kanton Uri können dank Jetonbetrieb sogar einen 24-Stunden-Service anbieten. Die Fähre Tössegg–Buchberg verkehrt zwar am Wochenende gemäss publiziertem Fahrplan, während von Montag bis Freitag eine telefonische Vorbestellung nötig ist. Anderseits fahren die «Flexi-Boats» auf dem Murtensee während der Herbst- und Wintersaison nur auf telefonische Bestellung.

Bedienung von Zwischenstationen auf Bedarf
Auf 21 Autobuslinien und drei Seen bedarf der Wunsch, auf bestimmten Zwischenstationen einsteigen zu können, einer telefonischen Voranmeldung. Dass dies keine Erfindung der Neuzeit ist, zeigt das Beispiel der ehemaligen Postauto-Haltestelle beim Restaurant Frohsinn in Belp: Wenn sich in der Wirtsstube jemand befand, der das Postauto Richtung Belpberg benützen wollte, liess der Wirt an der Aussenfassade ein kleines rotes Licht erleuchten, das dem Chauffeur signalisierte, dass er hier anzuhalten hatte. Das Licht ist zwar immer noch an der Hauswand installiert, doch fahren seit dem 12. Dezember 2004 keine Postautos mehr daran vorbei; der Grosse Rat des Kantons Bern hat nämlich die seit rund 75 Jahren bestehende Postautolinie von Belp auf den Belpberg aus dem Angebot gestrichen, so dass die knapp 400 Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Belpberg auf private Verkehrsmittel angewiesen sind. Mit dem seit einigen Jahren bei der Haltestelle «Hardern Linde» (Linie Lyss–Schnottwil–Büren an der Aare) installierten Lichtsignal lassen sich elegant unnötige Umwegsfahrten zu dieser Haltestelle vermeiden, wenn gar kein Fahrgast einzusteigen wünscht. Zudem kann in Surava und Alvaneu auf telefonische Voranmeldung ein Zugshalt zwischen Tiefencastel und Thusis vereinbart werden.

Idee funktioniert auch im Ausland
Die Rufbusse sind beileibe keine typisch schweizerische Idee: So findet man beispielsweise in der holländischen Provinz Friesland sogenannte «Belbusse» («bellen» bedeutet: klingeln, anrufen). Wenn im entsprechenden Fahrplanfeld anstelle der Abfahrtzeit ein Telefonsymbol aufgeführt ist, so hat sich der Reisende telefonisch anzumelden. Dieser Gratisanruf landet auf einer einheitlichen regionalen Reservierungszentrale, die täglich bis Mitternacht bedient wird. Und in den französischen Fahrplänen finden sich immer häufiger Hinweise auf den «Transport à la demande». So werden beispielsweise in der Region Auvergne seit dem Sommer 2000 rund 75 Gemeinden mit Rufbussen bedient; die Bestellung hat dabei bis spätestens am Vorabend um 18 Uhr zu erfolgen.

Städtische und regionale Rufbusangebote
Leider (noch) nicht im Offiziellen Kursbuch verzeichnet sind rund ein Dutzend städtischer und regionaler Rufbusangebote. In Lausanne kann der ursprünglich TaxisGare genannte Service auf eine langjährige Existenz zurückblicken; hier werden auf telefonischen Wunsch Fahrgäste mit dem «TaxiBus Nuit» entweder bis um 01.20 Uhr nach Hause oder dann mit dem «TaxiBus Potron-Minet» wieder frühmorgens ab 04.45 Uhr aus der näheren Region nach Lausanne gefahren. Ein weiteres Abhol- und Zubringersystem besteht zudem für Bahn- und Flugreisende in Genf. Und die Emmer Busbetriebe führen am Abend einen Rufbus ab Emmenbrücke Bahnhof.


Kasten


Neue Rufbusangebote im Alpengebiet
litra. Viele kleinere touristische Orte können beim öffentlichen Verkehr nicht von einer Finanzierung durch die öffentliche Hand profitieren, da das massgebende Eisenbahngesetz den Freizeitverkehr bis heute nicht berücksichtigt. Mit neuen Rufbusangeboten werden nun aber die Anmarschwege zu touristischen Gebieten erleichtert. Die Pilotregion Gantrisch erlebte im Winter 2005/2006, dass eine Angebotsverbesserung beim öffentlichen Verkehr erfolgreich beim Publikum ankommt: Der ab Weihnachten 2005 bis Ende Februar 2006 eingeführte «Schneebus» von Riffenmatt zu den Wintersportanlagen im Schwarzenbühl wurde von 2554 Personen benützt, was pro Fahrt durchschnittlich 18 Fahrgäste bedeutet. Mitgeholfen haben natürlich auch die hervorragenden Schneeverhältnisse sowie die verstärkten Marketinganstrengungen. So konnte – verglichen mit der besten der letzten drei Saisons – eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen erreicht werden. Die drei Projektträger sind nun daran gegangen, die Erfolge des Winters 2005/2006 auch den Sommertouristen zugänglich zu machen. In den Zugangstälern zur Greina-Ebene, dem Binntal und der Moosalp werden zur Zeit zweijährige Versuchsbetriebe unter dem Namen «Alpentäler-Bus» gestartet. Basis der neuen öV-Angebote sind saisonale Kurse, die teilweise täglich nach Fahrplan oder dann als Rufbus auf telefonische Voranmeldung hin verkehren. In der Pilotregion Gantrisch wird das öV-Angebot von PostAuto mit zwei Kursen ergänzt. Mit dem Wanderbus Riffenmatt–Schwarzenbühl–Süfternen und einem Rufbus Rüschegg Heubach–Längeneybad (Seilpark) wird ein erstklassiges Wander- und Bikegebiet in Naherholungsdistanz von Bern, Freiburg und Thun erschlossen. Durch neue Busangebote können zudem die Anmarschzeiten zur eindrücklichen Greina-Ebene deutlich verkürzt werden: Ein Rufbus fährt von Vrin nach Puzzatsch, ein weiterer Rufbus verkehrt von Rabius/Surrein nach Runcahez. Von der Tessiner Seite wird von Olivone nach Pian Geirett/Lago di Luzzone gefahren. Im Binntal wurden auf der bestehenden PostAuto-Linie Binn–Fäld zusätzliche Kurse eingeführt und ein Rufbus verlängert die Strecke bis nach Brunnebiel. Heiligkreuz wird von Binn ebenfalls mit einem Rufbus erschlossen. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten, die einmalige Natur- und Kulturlandschaft zu erkunden. Die vierte Pilotregion Moosalp ist heute schon recht gut erschlossen. Nach der im Dezember 2007 geplanten Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels soll die Anbindung weiter verbessert werden.

Download


Ausführliche Übersicht über alle Bedarfs- und Rufbusangebote mit mindestens drei regelmässig verkehrenden Kursen

Rufbus_2007.pdf (208.3 kB)

SMS-Newsletter  

Melden Sie sich für den SMS-Newsletter von LITRA an!

Eisenbahn-Infrastrukturkarte 2009  

   
© 1998 - 2010 LITRA | 3001 Bern | webmaster@litra.ch | Impressum | Disclaimer
realized by foresite Systems