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Das wachsende Schnellverkehrsnetz der Bahnen Europas

TGV Est-européenne Paris – Strasbourg und was noch?

litra. In allen Ländern Europas wird gebaut oder geplant. Das Schnellverkehrsnetz der Bahnen wächst unaufhaltsam Kilometer um Kilometer. Die aktuelle Entwicklung ist rasant. Die zwölfseitige Auflistung informiert in geraffter Form darüber. Am 10. Juni wird der LGV Est-européenne Paris – Strasbourg eröffnet. Die Schweiz muss sicherstellen, dass sie mit ihren Vorhaben den Anschluss nicht verpasst. Dazu gehören auch die Vorlage für die zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB) sowie der Bau der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT). Die inländischen HGV-Strecken sind auf eine Reisegeschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt. Im Ausland werden HGV-Strecken mit 320/350 km/h befahren.

Italien und Frankreich sind Pioniere des Schnellverkehrs. 1978 wurde die Direttissima 254 km Firenze - Roma, 1981 die Ligne à Grande Vitesse LGV Paris - Lyon 418 km in Betrieb genommen. Damit wurden die Fahrzeiten auf einen Schlag massiv reduziert.

Diese beiden Schnellverkehrspioniere haben dem Glauben an eine moderne Eisenbahn starken Auftrieb verleiht. Die Nachfrage auf diesen schnellen Strecken boomte.

In Frankreich schreitet der Bau von LGV voran, wenn auch das ursprüngliche ambitiöse Programm des ursprünglichen Schéma Directeur redimensioniert wurde.

Das Grossereignis ist am 10. Juni dieses Jahres die Eröffnung der LGV Est-européenne Paris - Strasbourg. Vorerst sind dann 300 km nach Baudrecourt gebaut, danach folgen weitere 100 km LGV durch die Vogesen nach Strasbourg, Inbetriebnahme voraussichtlich im Jahr 2012.

Das ist aber nicht die einzige Baustelle in Frankreich. LGV Languedoc - Roussillon Perpignan - Le Perthus - Figueras wurde 2004 in Angriff genommen. Die Verbindung Frankreich/Spanien Perpignan - Figueras durch den Perthus-Tunnel soll 2009 bereitstehen. Über diese Schnellstrecke werden auch Güterzüge geschleppt und im Raum Montpellier/Nîmes werden grosse Anpassungen phasenweise vorgenommen. Der Anschluss an die LGV Méditerranée und Rhône - Alpes wird sichergestellt.

Geplant sind weiter die LGV Sud - Europe- Atlantique, die LGV Bretagne - Pays de la Loire und die LGV Rhin - Rhône mit unterschiedlichen Realisierungsvorstellungen. La Branche Est Mulhouse - Dijon ist von besonderer Bedeutung auch für die Schweiz. Mulhouse - Paris fährt man dann in 21/2 Stunden. Vergangenes Jahr wurde mit der Trassierung begonnen. Eine LGV Provence - Alpes Côte d’Azur "LGV Paca" liegt hingegen noch in ferner Zukunft.

Ein vollständiges Bild vermittelt die Auflistung (siehe Anhang)

In Deutschland wurde die Neu - und Ausbaustrecke Nürnberg - Ingolstadt - München in Betrieb genommen. Damit wurde die Fahrzeit von 1 Std. 42 Min. auf 1 Std. 3 Min. reduziert. Diese Schnellverkehrsstrecke ist für Geschwindigkeiten über 300 Stundenkilometer analog Köln - Frankfurt ausgelegt.

Auch in diesem Land sind verschiedene Neubaustrecken in Betrieb, weitere sind im Bau oder geplant. Die Achsen Nürnberg - Leipzig/Halle - Berlin und die Neubau - und Ausbaustrecke Karlsruhe - Basel sind Grossprojekte mit Zeithorizont 2015/2017 für die Inbetriebnahme. Eine Neubaustrecke Stuttgart - Ulm ist geplant.

Deutschland setzt viel auf Ausbaustrecken für Geschwindigkeiten über 200 km/h analog Hamburg - Berlin.

In Italien wird das sog. "T" Schritt um Schritt verwirklicht: Turin - Mailand - Venedig und Mailand - Bologna - Florenz - Rom - Neapel.

Die Hochgeschwindigkeitsstrecken Neapel - Rom und Mailand - Turin erster Abschnitt wurden vergangenes Jahr in Betrieb genommen. Die Strecken Florenz - Rom steht vor einem Upgrading für höhere Geschwindigkeiten, Bologna - Florenz ist auf das Jahr 2008 versprochen und Mailand - Bologna soll nach Plan 2007 eröffnet werden.

Das Monsterprojekt Frankreich/Italien Lyon - Turin mit Zufahrten und Grössenordnung 120 km Tunnel mit all seinen topographischen Hindernissen wird regelmässig von den Regierungen beider Staaten und der EU als erstrangiges europäisches Projekt ausgerufen. Ihm fehlt aber der Schwung. So schreibt Ville & Transports (27.9.06): "Malgré quelques éléments positifs le projet ne semble toujours par véritablement lancé." Mit der Inbetriebnahme kann im Idealfall erst nach 2020 gerechnet werden, wenn überhaupt.

Spanien steht an vorderster Front beim Bau von Schnellverkehrsstrecken. Spanien baut eine neue Bahn. Die schnelle Strecke Madrid - Cordoba - Sevilla über 470 km wurde schon 1992 eröffnet.

Die 650 km lange Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid - Barcelona wird seit Ende 2006 von Madrid bis Tarragona/Roda de Bara mit Umspurzügen befahren. Der Bau der anspruchsvollen Normalspurstrecke in die Agglomeration Barcelona hinein zum Bahnhof Sants wird vorangetrieben. 2008 wird sie in Betrieb genommen. Zu jenem Zeitpunkt können die Hochleistungszüge der RENFE die ganze Strecke mit 300 km/h und bei Vollausbau mit 350 km/h befahren. Der Fahrzeitgewinn ist gewaltig: Madrid - Barcelona gestern 7 Std., heute, 3 Std.55 Min. und morgen 2 Std., 25 Min.

In Spanien sind verschiedene andere Strecken im Bau und geplant. Im Bau sind gegenwärtig drei Äste auf die Schnellverkehrs-Hauptachse Madrid - Barcelona.

Spanien mit seiner Technik und Topographie baut schneller als jedes andere Land. Lässt sich das spanische Programm realisieren, wird die Eisenbahn über ein zusammenhängendes Netz verfügen. Gleichzeitig wird der Anschluss an Europa mit der Anpassung der Spurweite sichergestellt.

Die Staatsbahnen der Niederlande haben europaweit das dichteste Zugsangebot. Dazu bauen sie gegenwärtig eine 130 km lange Schnellverkehrsstrecke von Amsterdam CS - Schiphol - Rotterdam - Breda an die belgische Grenze. Inbetriebnahme ist auf das kommende Jahr vorgesehen. Die Fahrzeiten Amsterdam - Paris reduzieren sich von heute 4 Std. 9 Min., auf morgen 3 Std. 3 Min.

Auch Belgien baut Schnellverkehrsstrecken. Die Nordachse und der Anschluss Bruxelles - niederländische Grenze sind im Bau. Die Westachse Neubaustrecke Französische Grenze - Bruxelles wurde schon 1997 in Betrieb genommen. Im Bau und teilweise in Betrieb ist die Ostachse Bruxelles - deutsche Grenze.

Grossbritanien konzentriert sich auf den Channel Tunnel Rail Link, der am 14. November dieses Jahres auf seiner ganzen Länge mit dem Bahnhof London - Saint Pancras in Betrieb genommen wird.

Österreich arbeitet an einer Neubaustrecke Wien - St. Pölten und weiter nach Linz. Für den Brenner werden von den Regierungen immer wieder Spatenstichfeiern veranstaltet.

Das letzte Mal im Juni 2006, allerdings nur für "Vorbereitende Maßnahmen zu den Erkundungsstollen zum Brenner Basistunnel". Die angekündigte Inbetriebnahme 2015 ist wohl kaum realistisch.

Portugal präsentiert mit der EU grosse Pläne, jedoch mit einem weit hinausgeschobenen Zeithorizont.

Die beigefügte Liste über die Neubaustrecken Europas müsste permanent angepasst werden, denn neue technische, rechtliche und finanzielle Probleme verhindern häufig die Einhaltung ursprünglicher Zeitpläne. Baubeginn und Inbetriebnahme werden um Jahre hinausgeschoben. Aber das Hochgeschwindigkeitsnetz Europas entsteht. Und es wird mit 250, 300 und 350 Stundenkilometer gefahren. Die Spanier haben mit einem Serienzug 404 Stundenkilometer versuchsweise erprobt. Und SNCF/Alstom stellten mit dem Versuchszug V150 einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 574,8 Stundenkilometer auf!

So sagen die Pioniere des Schnellverkehrs, die Franzosen: LA GRANDE VITESSE FERROVIAIRE: UNE NECESSITE POUR LE CHEMIN DE FER DANS SA COMPETITION AVEC LES AUTRES MODES DE TRANSPORT.

Download


Neubaustrecken_Europas_2007.pdf (68.1 kB)

Karten des europäischen Hochgeschwindigkeits-Netzes:

LITRA_UIC_European_HS_Network_2006.pdf (121.1 kB)

LITRA_UIC_European_HS_Network_2010.pdf (121 kB)

LITRA_UIC_European_HS_Network_2020.pdf (121.1 kB)

 

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