DE | FR
Home Sitemap Kontakt drucken weiterempfehlen suchen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   

Der Vierwaldstättersee grenzt ans Mittelmeer

Neue Schiffe auf Schweizer Seen

28|06|2012|litra. Die neue Attraktion der Schifffahrtssaison 2012 kommt aus der Zentralschweiz, genauer gesagt von der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstät-tersees: die Panorama Yacht MS «Saphir». Mit ihrer yachtähnlichen Form, die mehr an mediterrane Gefilde, denn an ein Kursschiff erinnert, ist es ein Symbol für die innovative Unternehmensstrategie der SGV, die neben der Schifffahrt auch auf die Gastronomie und die Schiffstechnik setzt. Das wirkt dem finanziellen Druck der Franken-Stärke entgegen, welchem alle Schweizer Schifffahrtgesellschaften heute ausgesetzt sind.



Die MS Rousseau der Bielersee-Schifffahrt und die MS Saphir auf dem Vierwaldstättersee sind die zwei neuen Schiffe der Saison 2012. Das eine Schiff fährt auf der Aare sowie den drei Juraseen und ehrt seinen Namensgeber Jean-Jacques Rousseau zu seinem 300. Geburtstag, das andere setzt auf Ungewöhnliches: Vor knapp drei Jahren entschied die Schifffahrtgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) ein neues Angebot einzuführen. Mit einer einstündigen Rundfahrt im Luzerner Seebecken wollte sie ihre aktuellen Angebote von Strecken- und Verbindungsfahrten ergänzen und kurz entschlossene Touristinnen und Touristen für eine «Stadtrundfahrt» auf See gewinnen. Dieses neue Angebot wollte die SGV aber nicht mit irgendeinem Schiff fahren. Es musste speziell und unkonventionell sein. Das Resultat ist die MS Saphir. Sie wurde Anfangs Mai getauft und bringt mit ihrer futuristischen Linie und Erscheinung das Mittelmeer an den Vierwaldstättersee. Mit dem jüngsten Mitglied der Flotte kann die Schifffahrtgesellschaft auf einen Mix von Alt und Neu zählen, einerseits mit ihren legendären fünf Dampfschiffen, andererseits mit der futuristischen Panorama Yacht.


Vor gut zwei Jahren hat die SGV das auf das Design von Yachten und Segelschiffen spezialisierte Büro judel/vrolijk ins Boot geholt, um ein modernes, ökologisches und ungewöhnliches Schiff mitzugestalten. judel/vrolijk nahm diese Herausforderung an, obwohl es bis dato noch nie ein Gefährt für eine Schifffahrtgesellschaft konstruiert hatte. Aus dieser Zusammenarbeit ist ein Yacht-inspiriertes Schiff entstanden. Shiptec, die Tochtergesellschaft der SGV, hat anschliessend die Arbeiten fortgesetzt und die MS Saphir in der Werft in Luzern entwickelt, geplant und gebaut. Im Rahmen des Projektes wurden auch die für ein Passagierschiff aussergewöhnlichen Forderungen wie bspw. ein verstellbares Dach oder die Wasserterrasse umgesetzt. Shiptec fügte noch weitere technische Entwicklungen hinzu bezüglich Antriebssystem, Energieeffizienz oder innovativen Materialien wie zum Beispiel leichte Faserverbundwerkstoffen. Als beispielhaft gilt auch der Motor. Die SGV setz mit einem Hybrid System (Elektro/Diesel) auf einen ökologischen Antrieb, was bis 15 Prozent Energie spart. Der Bau des neuen Schiffes hatte allerdings seinen Preis. Die Investitionen betrugen 5,6 Millionen Franken.



Unternehmensstrategie mit drei Standbeinen


Vor sechs Jahren hat die Schifffahrtgesellschaft des Vierwaldstättersees eine neue Unternehmensstrategie verabschiedet: das Unternehmen basiert seit 2006 auf den drei Geschäftsbereichen Schifffahrt, Schifftechnik und Gastronomie. Das stärkt die finanzielle Basis und diversifiziert in schiffnahe Bereiche mit Potenzial. Die Wachstumsmöglichkeiten in den klassischen Schifffahrtsleistungen sind begrenzt. Die SGV deckte hier mit Themen-, Strecken- und Rundfahrten und der Schiffsmiete an Dritte bereits ein grosses Spektrum ab. In der Gastronomie andererseits ist das Geschäft nicht auf die Schiffe selbst beschränkt. Die Restaurationsangebote auf dem Land wurden laufend ausgebaut, mit dem Resultat, dass die Gastronomie-Tochtergesellschaft Tavolago 2011 auf dem Land bereits gleich viel Umsatz erzielte wie auf den Schiffen. Das zweite Tochterunternehmen Shiptec hat sich als Kompetenzzentrum für Schiffentwicklung, -Bau und -Renovierung in der Schweiz positioniert. Ihr Knowhow setzt sie auch für andere Schifffahrtsunternehmen ein, bspw. in der Renovation des famosen Dampfschiffs Neuchâtel. Das privatwirtschaftliche Unternehmen SGV ist mit dieser Diversifikation als Unternehmen polyvalenter geworden und steht finanziell auf einer nachhaltigen Basis. Sie ist mit rund 2.4 Millionen Fahrgästen pro Jahr und knapp CHF 60 Mio. konsolidiertem Umsatz nicht nur das grösste Schifffahrtsunternehmen der Schweiz, sondern nimmt auch im Bereich der Schiffstechnik und Schiffsgastronomie eine Branchenleader-Position ein.





Interview mit Stefan Schulthess, Direktor der SGV


Was sind die Überlegungen hinter der MS Saphir?


Wir möchten für Gäste die wenig Zeit haben – Schweizer und Ausländer – ein neues, attraktives, ein-fach buchbares und verhältnismässig günstiges Produkt anbieten. Touristen können spontan entscheiden in Luzern während einer Stunde für eine Rundfahrt aufs Schiff einzusteigen. Es ist wie eine Städterundfahrt, aber auf dem See. Dies ist ein neuer, kleiner Bereich, worin wir heute nicht tätig sind und wo ein gewisses Kundenpotenzial besteht. Um diese Rundfahrt möglichst gut und erfolgreich zu machen, dachten wir an eine Freizeitsausflugsyacht. Die Gäste sollen auf einer Yacht eine luxuriöse Rundfahrt geniessen. Wir wollten eine moderne, sehr nautisch konzipierte, designte Yacht, die Begeisterung auslöst.


Welche Merkmale des neuen Schiffes machen Ihnen speziell Freude?


Zwei Sachen sind für mich persönlich ganz eindrucksvoll: Erstens die technische Komponente des Antriebs. Bevor wir überhaupt gewusst haben, was für ein Schiff wir bauen möchten, haben wir entschieden, dass es aus ökologischen Gründen kein konventioneller Diesel Antrieb sein kann. Viele Optionen wurden geprüft und am Schluss fiel die Wahl auf einen Elektromotor mit Generatorstrom für die Produktion. So spart man Treibstoff und erzeugt weniger Lärm. Zweitens ist es das spezielle Design. Man hat das Gefühl, auf einer Yacht im Mittelmeer zu sein, einfach grossartig! Dieser Aspekt ist auch ein Anziehungspunkt; nicht nur der See, auch das Schiff selbst muss Grund für eine Fahrt sein.


Die Schifffahrtgesellschaften bieten generell immer mehr Spezialfahrten oder Themenfahrten an. Wie wichtig ist dieses Geschäft?


Das Hauptgeschäft ist und bleibt bei allen Schifffahrtgesellschaften – nicht nur bei uns – die Verbindungs- oder Rundfahrten. Die Gastronomie ist in der Regel nicht der Hauptgrund, um auf einem Schiff zu gehen. Ich bin überzeugt, dass es so bleiben wird. Das Problem ist aber folgendes: Die Kursschifffahrt ist ein gesättigter Markt. Wenn man ein kleines Wachstum generieren will, muss man neue Produkte kreieren, die auf dem Schiff passieren, wie bspw. eben die Themenfahrten.


Können Sie uns die Unternehmensstruktur der SGV erläutern, und was daran speziell ist?


Wir sind als einzige Schifffahrtgesellschaft in drei Geschäftsbereichen tätig, d.h. in der Schifffahrt, in der Gastronomie und in der Schifftechnik. Vor sechs Jahren haben wir diesen strategischen Entscheid getroffen, nicht mehr nur auf die Schifffahrt zu setzen. In der Gastronomie kennen wir den Markt und unsere Kunden. Das beginnt auf den eigenen Schiffen und setzt sich an Land fort. Nach sechs Jahren Tätigkeit haben wir an Land bereits denselben Umsatz wie auf den Schiffen. Die Entwicklung geht weiter: Vor einem Monat haben wir ein Hotel und dessen Restaurant in Luzern übernommen. Wir sind bei der Messe Luzern und im Eisstadion dabei, wir haben Bistros rund um den Vierwaldstättersee. In der Schiffstechnik haben wir bis vor wenigen Jahren nur für uns, sprich an unseren eigenen Schiffen, gearbeitet. Das Ziel ist hier, bis in fünf Jahren mindestens zu 50% für Drittkunden zu arbeiten. Bereits heute arbeitet Shiptec für fast alle anderen Schifffahrtsgesellschaften der Schweiz.


Wie steht die SGV wirtschaftlich da?


Wir sind wirtschaftlich noch nie so erfolgreich gewesen wie in den letzten fünf Jahren. Wir können uns selbst finanzieren, was in der Schweiz einzigartig ist und wir haben damit attraktive unternehmerische Perspektiven. Nur auf dieser Basis können wir überhaupt unternehmerisches Risiko eingehen.


Was hat sich seit dem Strategiewechsel sonst noch verändert in der SGV?


Diese neue Strategie war vor allem für unsere langjährigen Mitarbeitenden eine grosse Herausforderung. Die Schifffahrt ist nicht mehr unser einziges Standbein, andere, neue Bereiche sind dazugekommen und wachsen schneller als die Schifffahrt. Wir sind unterdessen in der SGV-Gruppe eine grosse «Patchworkfamilie» mit mehr als 600 Mitarbeitenden geworden, was die Unternehmenskultur stark fordert.





Jahr des Wassers 2012


Schweiz Tourismus und die Grossbank UBS haben ihre Sommerkampagne 2012 dem Wasser gewidmet und werben für die viele Möglichkeiten, welche die Schweiz rund ums Wasser anbietet. Diese Kampagne und eine Jubiläumsaktion zusammen mit der UBS ab dem 25. Juni 2012 sind eine Chance, die Schweizer Schifffahrt ins Schaufenster zu stellen. Das ist nötig, kämpft doch die Branche wie der Tourismus mit der Franken-Stärke und sieht sich auch mit dem Spardruck der öffentlichen Hand konfrontiert.



Download


Diese Medien-Mitteilung im PDF-Format

MM_Yacht Saphir_d_28.6.12.pdf (125.5 kB)


Photos der MS Saphir

Photos_Saphir.zip (20860.7 kB)

 

News abonnieren  

personalisieren Sie sich Ihre LITRA-News 

LITRA-Verkehrszahlen  

Direkt zur neuesten Ausgabe  

Die Gelbe Serie  

Der öffentliche Verkehr im Spannungsfeld von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen 

Geschäftsbericht 2011/2012  

Die Fakten des Vereinsjahrs 2011/2012 

Prix Litra  

Unser Prix für Bachelor- und Master-Absolventen 
 
 
   
© 1998 - 2013 LITRA | 3000 Bern 7 | webmaster@litra.ch | Impressum | Disclaimer | Version: V 2.2.3
realized by foresite GmbH