Die Wertschöpfung der Schweizer Schifffahrt
litra. Wieviel Geld erbringen die rund 12 Millionen Passagiere Jahr für Jahr auf Schweizer Seen und Flüssen für die Volkswirtschaft? Mit dieser Frage befasst sich eine wissenschaftliche Studie, die vom Verband Schweizerischer Schifffahrtsunternehmungen (VSSU) in Auftrag gegeben wurde.
Jeder der rund 12 Millionen Passagiere pro Jahr auf Schweizer Seen und Flüssen bringt der entsprechenden Schifffahrtsgesellschaft zunächst einmal Billetteinnahmen. Doch damit nicht genug: Wie eine kürzlich publizierte wissenschaftliche Studie zeigt, löst eine Schifffahrt weitere Ausgaben aus, die der ganzen Volkswirtschaft zugute kommen. Insgesamt schätzt Dr. Jürg Meister, Lehrbeauftragter an der Universität St. Gallen, die gesamte Wertschöpfung auf knapp 300 Millionen Franken pro Jahr; umgerechnet auf einen einzelnen Fahrgast macht das ziemlich genau 25 Franken aus.
Hinreise mit dem Auto oder dem öffentlichen Verkehr Während die den einzelnen Schiffsunternehmungen zufliessenden Einnahmen anhand von Erhebungen bei den verschiedenen Betrieben direkt erhoben werden konnten, sind für die weiteren mit einer Schifffahrt verbundenen Geldflüsse weitgehend Schätzungen nötig. So ist bei den Zufahrtskosten der Schiffspassagiere zu berücksichtigen, dass rund 20 Prozent der Schiffspassagiere ausländische Touristen sind, denen keine speziellen Zufahrtskosten zugeordnet werden können, da ja ein Aufenthalt in der Schweiz kaum nur wegen der Schifffahrt erfolgt. Weitere 20 Prozent sind Anrainer, welche die Schifffahrt ohne wesentliche Vorkosten erreichen. 10 Prozent der Schiffspassagiere sind schweizerische Feriengäste, bei denen ebenfalls keine direkt von der Schifffahrt abhängigen Zufahrtskosten aufgerechnet werden. Rund 30 Prozent der Schiffspassagiere reisen als nicht in Seenähe wohnende inländische Tagesgäste mit dem öffentlichen Verkehr an, wobei die durchschnittlichen Fahrtauslagen (für die Retourfahrt) mit 17 Franken angenommen wurden. 15 Prozent der Fahrgäste reisen mit dem Auto zur Abfahrtsstelle des Schiffs, wobei hier mindestens zwei Insassen pro Fahrzeug zu rechnen sind. Aufaddiert ergeben sich für die Zufahrtskosten total rund 30 Millionen Franken.
Eine Schifffahrt macht hungrig Mit einer Schifffahrt sind meist verschiedene Folgekosten verbunden, wobei hier die Gastronomie (sei es an Bord oder an Land) eine hervorragende Rolle spielt, denn eine Schifffahrt macht wegen der gesunden Seeluft bekanntlich hungrig. Für die Gastronomie an Bord wurde eine Wertschöpfung von 21,3 Mio. Franken, für jene an Land eine solche von 22 Mio. Franken angenommen. Dazu kommen noch sogenannte «Kleinausgaben» der Schiffspassagiere, wie etwa die an einem Kiosk erstandene Glace, eine Ansichtskarte oder Souvenirs aller Art. Hier wurde eine Wertschöpfung von 8 Mio. Franken angenommen.
Und dann vom Schiff auf die Bergbahn
Je nach See begnügen sich die Reisenden nicht mit einer Schifffahrt, sondern streben noch «höheren» Zielen zu, so dass hier noch Billettkosten für die Fahrt mit einer Bergbahn hinzukommen. Als ausgesprochen «weiterführend» bezeichnet der Autor der Studie beispielsweise den Vierwaldstättersee (mit Pilatus, Rigi, Bürgenstock, Klewenalp, Seelisberg usw.), doch ist auch der Übergang vom Brienzersee aufs Brienzer Rothorn oder vom Luganersee auf den Monte Generoso erwähnenswert. Hier wird eine Wertschöpfung von rund 7 Mio. Franken geschätzt. Zusammen mit weiteren in Zusammenhang mit der Schifffahrt stehenden Ausgaben (z.B. Beherbergungs-Aufwendungen, Eintritte zu anschliessenden Institutionen und Anlässen wie Museen und Ausstellungen) kommt die Studie auf eine Brutto- Wertschöpfung durch die Passagiere von 91,35 Mio. Franken. Zusammen mit der Netto-Wertschöpfung der VSSU-Unternehmungen (Billetteinnahmen samt Nebenerträgen und allfälligen Abgeltungen) in der Höhe von 68,66 Mio. Franken und von den VSSU-Unternehmungen eingekauften Vorleistungen von 28,74 Mio. Franken sowie den sogenannten induzierten Gesamtumsätzen in der Höhe von 103,81 Mio. Franken (Multiplikatoreffekt) kann von einer durch die Schiffspassagiere ausgelösten Wertschöpfung von insgesamt 292,56 Mio. Franken ausgegangen werden – ein erheblicher Beitrag an die schweizerische Volkswirtschaft, der wohl bisher in seiner Bedeutung eher unterschätzt worden ist. Kasten
Wie setzt sich die gesamte Wertschöpfung zusammen? litra. Die von Dr. Jürg Meister im Auftrag des Verbands Schweizerischer Schifffahrtsunternehmungen (VSSU) erstellt Studie beruht auf Erhebungen aus den Jahren 2001, 2002 und 2003. Dabei wurden die folgenden Durchschnittswerte ermittelt:
| Betriebliche Netto-Wertschöpfung der Schweizerischen Schifffahrt | 68,66 Mio. | | Durch die Schifffahrtsunternehmungen bezogene Vorleistungen | 28,74 Mio. | | Brutto-Wertschöpfung durch die Reisenden (z.B. Gastronomie, Anreise, Weiterreise) | 91,35 Mio. | | Sogenannte induzierte Gesamtumsätze | 103,81 Mio. | | Gesamt-Wertschöpfung der Schifffahrt | 292,56 Mio. | | Quelle: Wertschöpfung der Schifffahrt auf Schweizer Seen und Flüssen, VSSU Zürich, 2004 http://www.schweizer-schifffahrt.ch | |
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