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Hausse bei den Velostationen

Neues Leben für alte Güterschuppen


litra. An vielen Bahnstationen gibt es Güterschuppen, die ihre ursprüngliche Aufgabe verloren haben und besser genutzt werden könnten. Wegen der Auslagerung des Stückguts (später als Cargo Domizil bezeichnet) benötigen die Schweizer Bahnen vielerorts keine Lagerräumlichkeiten mehr. Als ideale Neunutzung bietet sich an bestimmten Standorten die Einrichtung von Velostationen an. Hier können die Velos diebstahlsicher in Verwahrung gegeben werden.

Den Anfang machten Aarau und Langenthal, die seit 1994 bzw. 1995 bewachte Abstellanlagen für Velos an den Bahnhöfen in Betrieb genommen haben. Nun sind bereits 14 Velostationen hinzugekommen; drei weitere sind in Planung.
Die notwendige lange Präsenzzeit (mit «Hochbetrieb» während den Pendlerzeiten) lässt sich nur mit einem grossen Personalaufwand erreichen. So sind viele Velostationen während rund 20 Stunden pro Tag geöffnet, und dies auch am Wochenende. Wegen der zentralen Lage der Bahnhöfe ist zuweilen auch eine hohe Raummiete zu entrichten – die Bahnen haben schliesslich vor einigen Jahren entdeckt, welche «Goldgruben» in ihren Räumlichkeiten an zentralster Lage stecken! Die Situation auf dem Arbeitsmarkt kommt nun dieses Anforderungen insofern entgegen, als mit Beschäftigungsprogrammen für Arbeitslose oder für Ausgesteuerte derartige Velostationen effizient betrieben werden können.

Das Beispiel Burgdorf...
Täglich fahren rund 1000 Personen mit dem Velo zum Bahnhof Burgdorf. 59 Prozent davon sind bereit, für die diebstahlsichere Aufbewahrung ihres Stahlrosses einen Obulus zu entrichten. Die IG Velo Burgdorf konnte innert kurzer Zeit in Zusammenarbeit mit der Regionalen Arbeitsvermittlungsstelle und den Schweizeris
chen Bundesbahnen (SBB) eine Velostation im leerstehenden Güterschuppen mit rund 200 Veloabstellplätzen bereitstellen. Gut ein Dutzend ausgesteuerte Langzeit-Arbeitslose erhalten während den Öffnungszeiten (Montag bis Donnerstag von 5.00 bis 0.35 Uhr, Freitag und Samstag 05.00 bis 01.35 Uhr, Sonntag 06.00 bis 24.00 Uhr) – also vom ersten bis zum letzten Zug – die Möglichkeit, einer sinnvollen Tätigkeit im Kontakt mit dem Publikum nachzugehen. Die Ausgesteuerten werden somit wieder in den Arbeitsprozess integriert und zu ganz normalen Lohnempfängern mit Arbeitsverträgen. Als kleine (bezahlte) Dienstleistungen werden Veloreinigungen oder die Kontrolle des Luftdrucks angeboten; ebenfalls wird auf Wunsch das Licht kontrolliert und nötigenfalls wieder in Stand gesetzt. Die Velostation Burgdorf vermietet zudem Velos, Flyer, Veloanhänger und «TranZBag»-Taschen - alles Dienstleistungen, die auf ein grosses Interesse stossen.
Gut entwickelt hat sich auch der Hauslieferdienst. So werden zur Zeit rund 1300 Einkäufe pro Monat gratis nach Hause geliefert, mehr als doppelt soviel wie noch Ende 2000. Den rund 50 angeschlossenen Geschäften wird ein Jahresbeitrag von rund 100 Franken verrechnet; die Grossverteiler Migros und Coop bezahlen einen Franken pro Lieferung. Seit dem Frühjahr 2002 können auch ausgediente Elektrogeräte aus Haushalt und Büro kostenlos in der Velostation abgegeben werden; diese sorgt dann für die umweltgerechte Wiederverwertung oder Entsorgung der Ware. Unter dem Namen «Pro Senum» hilft die Velostation Burgdorf schliesslich auch für einen Einheitstarif von 15 Franken pro Stunde bei der Planung, Organisation und Durchführung von Umzügen und Räumungen - ein Angebot, das sich insbesondere an ältere, allein stehende und weniger bemittelte Personen richtet.

.. und Interlaken West
Ähnlich erfolgt die Bewachung der Velos im Bahnhof Interlaken West: Hier bewachen auf Anregung des Polizeiinspektorats Interlaken Arbeitslose die Velos täglich vom ersten bis zum letzten Zug. Die Werkstätte Bödeli des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH) hat für rund 15’000 Franken den Umbau im Erdgeschoss vorgenommen; seit dem Frühjahr 1997 sind insgesamt zehn arbeitslose Frauen und Männer eingesetzt. Neben regelmässigen Kontrollgängen in den Räumlichkeiten und auf dem ganzen Bahnhofareal werden aber auch Einkäufe erledigt, Fahrräder gereinigt und Lichtkabel oder Glühbirnen ersetzt. Mit klaren Absprachen wurde gesorgt, dass die lokalen Velohändler damit nicht konkurrenziert werden.

Kasten


Dreistöckige Velostation in Schaffhausen geplant
litra. Ende September 2002 haben die Schaffhauser Stimmberechtigten den Kredit für das neue Buszentrum an der Bahnhofstrasse mit bewachter Velostation gutgeheissen. Vorgesehen ist eine dreistöckige Velostation mit rund 260 Abstellplätzen. Der bewachte Teil mit 84 Plätzen, Werkstatt und Büro befindet sich im Erdgeschoss. Im ersten Obergeschoss sind 96 Plätze als abschliessbare Boxen zu vermieten; im zweiten Obergeschoss werden weitere 100 Plätze unbewacht sein. Alle Stockwerke haben einen direkten Zugang auf das Gleis 1 des Bahnhofs Schaffhausen.
Die Velostation wird von einer Stiftung mit Stellenlosen betrieben und der Aufwand aus entsprechenden Programmen von Bund, Kanton und Stadt gedeckt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden auch kleinere Reparaturen ausführen, Velos reinigen und für den Ordnungsdienst zuständig sein. Die Eröffnung ist auf Anfang 2004 geplant.

Basel hat das erste vollautomatische Veloparking der Schweiz
litra. Am 21. Juni 2002 konnte in Basel das erste vollautomatische Veloparking der Schweiz eröffnet werden. Schnell, sicher und bequem: Diese Qualitäten vereinigt das neue Basler Veloparking vollumfänglich. Die automatische Durchgangs-Kontrollanlage für den kostenpflichtigen Teil funktioniert ähnlich wie bei Parkhäusern und kann auch grössere Anstürme gut bewältigen. Obwohl die neue Velostation unter dem Centralbahnplatz liegt, entsteht nicht der Eindruck eines Velokellers. Zum einen ist dies der farbigen und hellen Gestaltung der hohen Räume zu verdanken. Zum andern ist die Velostation stets belebt dank der 24-Stunden-Präsenz der Betreiberin und der Anwesenheit von Kunden und Passanten.

Eine zweite Velostation für Bern
litra. Bereits seit dem 24. Februar 2000 ist die bewachte Velostation «Schanzenbrücke» am oberen Ende der Schanzenbrücke geöffnet, die vor allem jenen Velofahrenden dient, welche entweder im Länggassquartier wohnen oder dort arbeiten. Nun ist Anfang April 2003 im Rahmen des Bahnhofumbaus eine zweite bewachte und betreute Velostation im ehemaligen Raum der Gepäckaufgabe am Bollwerk (direkt unter der neuen Migros) eröffnet worden. Rund 200 bewachte Abstellplätze stehen hier zur Verfügung. Das Angebot umfasst auch Schliessfächer (grosse zum Aufhängen von Regenkleidern, kleine für den Velohelm) und einen Reparaturservice (Reinigung, Pneuwechsel/Schlauchreparaturen, Licht). Laut dem Velokonzept «bike and ride» im Masterplan Bahnhof soll es dereinst insgesamt vier grosse Velostationen rund um den Bahnhof geben. Ursprünglich hatten die SBB beim gegen 58 Millionen teuren Bahnhofumbau «wegen Platzmangel» überhaupt keine Veloabstellplätze vorgesehen, was die IG Velo zu einer Einsprache bewog. Die Velostation «Milchgässli» mit rund 500 Plätzen soll ab Herbst 2004 zur Verfügung stehen, wahrend später bei den Perronzugängen von der Schanzenstrasse her eine Velostation «West» mit rund 800 Plätzen eröffnet werden soll. Schliesslich sollen auf der Perronplatte (Parkplatz über den Geleisen) noch rund 100 Abstellplätze für Roller und Elektromobile markiert werden.

Impulse aus dem Veloland Holland
litra. Wie Untersuchungen im «Veloland» Holland gezeigt haben, lassen sich selbst mit ausgeklügelten abschliessbaren Parksystemen Vandalenakte nie ganz verhindern. So setzen die Niederländischen Bahnen (Nederlandse Spoorwegen N.V.) konsequent auf bewachte Velostationen, die allerdings nicht nur als Veloeinstellraum dienen. Hier können ebenfalls im ganzen Land zu günstigen Bedingungen Velos gemietet, kleinere Reparaturen in Auftrag gegeben oder gar günstig Second-Hand-Velos gekauft werden. Da die Öffnungszeiten der Billett- und Gepäckschalter wegen des Kostendrucks ständig reduziert werden, wandern in Holland auch andere Funktionen (Einstellen von Gepäck beispielsweise) an die vom ersten bis zum letzten Zug offengehaltenen Velostationen.

Download

Verzeichnis der Velostationen.pdf (155 kB)

 

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