Verbundabonnemente auf Erfolgskurs
litra 21.8.2007. Zählte man Ende 1987 in der ganzen Schweiz lediglich 7 Tarif-Verbundgebiete, hat sich innert 20 Jahren die Zahl auf heute insgesamt 21 verdreifacht. Wichtig ist eine tatkräftige Mithilfe des Bundes bei der Finanzierung des Agglomerations- verkehrs.Die Förderung der öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn, Bus und Tram) in den Städten, Agglomerationen und Kantonen bildet einen wichtigen Bestandteil der Massnahmenpläne zur Luftreinhaltung und zur Entlastung der Strassen. Aber auch die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Verkehrsbetriebe kann gesteigert werden, wenn - dank besserem Angebot - mehr Passagiere die Kurse benützen und damit die Fahrgasterlöse ansteigen. Nach wie vor braucht es indessen zur Aufrechterhaltung eines attraktiven «Service public» die öffentliche Hand als Auftraggeber und finanzielle Stütze.
Ende 1987 zählte man in der ganzen Schweiz lediglich 7 Verbundgebiete, nämlich das legendäre TNW-Umweltschutzabonnement in Basel (Tarifverbund Nordwestschweiz), den Tarifverbund in Frauenfeld, das Abonnement «Arc-en-ciel» in Fribourg, den Tarifverbund in Gossau/Herisau, das Abonnement «Bleu-Blanc» in Lausanne, das Abonnement «Ecot-de-Morges» und den Tarifverbund St. Gallen. Seither haben praktisch alle grösseren Agglomerationen Verbundabonnemente eingeführt; einzelne Verbunde haben sich zudem im Laufe der Zeit mit anderen zusammengeschlossen. Heute sind es deren 21, wobei zu berücksichtigen ist, dass sich die Anzahl der Verbunde bei jeder Fusion benachbarter Verbunde entsprechend reduziert. Jüngste Mitglieder in der Gilde der Verbundabonnemente sind der im Dezember 2006 gebildete Tarifverbund für den Kanton Freiburg (Frimobil) sowie die Fusion der Tarifverbunde Thun, Saanenland und Berner Oberland Ost zum Abonnementsverbund Berner Oberland. Hier sind touristische Transportmittel wie die Schiffe auf dem Thuner- und Brienzersee und Bergbahnen, die keine ganzjährigen Wohngebiete erschliessen, wie bisher im Verbund nicht enthalten. Wie die neuste Übersicht des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV) und der LITRA zeigt, beschränken sich 12 Verbunde auf das Angebot von Verbund-Abonnementen, während 8 integrale Verbunde für Abonnemente und Einzelbillette bestehen. Der länderübergreifende Verbund Euregio Bodensee beschränkt sich hingegen auf die Herausgabe der attraktiven Tageskarte «Euregiokarte». Der Tarifverbund «Passepartout» bietet Verbundabonnemente für Luzern, Obwalden und Nidwalden sowie Einzelbillette für die Agglomeration Luzern (Zonen 10, 20 und 40 ohne Schiffe). Im offiziellen Kursbuch wird auf Seite 1853 (deutsch) und 1863 (französisch) über die Tarifverbunde mit SBB-Beteiligung informiert.
Unterschiedliche Finanzierungsmodalitäten – phantasievolle Namen Selbst wenn dank der Schaffung von Verbundabonnementen ein gewisser Rationalisierungseffekt erreicht werden kann, ist ein Verkauf dieser Fahrausweise ohne Beiträge der öffentlichen Hand undenkbar. Im Gegensatz zu den Pionierzeiten der Verbundabonnemente, als solche nur gegen eine Wohnortsbestätigung an die einheimische Bevölkerung ausgegeben wurden, können heute alle Verbundabonnemente ohne jegliche Formalität von jedermann erworben werden. Reduzierte Preise für Junioren und Senioren gelten in den meisten Verbundgebieten.
Die Namen dieser von Jahr zu Jahr beliebter werdenden Fahrausweise sind recht phantasievoll und widerspiegeln die Ausdauer und Kreativität der zuständigen Stellen bei der Schaffung solcher Verbundabonnemente. Namen wie Abo zigzag, BeoAbo, vagabond, arcobaleno, Regenbogen, Passepartout, FlexTax, A-Welle, unireso, onde verte, libero und frimobil weisen darauf hin.
Investitionen sind noch wichtiger Verbundabonnemente haben zum Ziel, den Kunden des öffentlichen Verkehrs einen freizügig verwendbaren Pauschalfahrausweis für ihre täglichen Fahrten zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen anzubieten, ohne Rücksicht auf die dabei benützten verschiedenen Transportmittel. Der Preis spielt dabei eine wichtige Rolle. Durch gezielte Verbilligungsmassnahmen soll die Benützung von Bahn, Bus und Tram attraktiver gemacht werden. Wie die Erfahrung zeigt, genügen aber solche Massnahmen allein nicht, um die öffentlichen Verkehrsmittel benutzerfreundlicher zu machen. Investitionen in Leistungsverbesserungen, damit die Reisenden rascher und bequemer ans Ziel kommen, sind ebenso wichtig und längerfristig von eminenter Bedeutung. Leistungsverbesserungen können erreicht werden durch Verdichtung des Fahrplans, Einsatz von schnellerem und komfortablerem Rollmaterial und Fahrzeugen, Eröffnung neuer Linien, Bau neuer Strecken oder Um- und Ausbau von Bahnhöfen und anderen Anlagen. Erst dann ist es den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich, ihren substantiellen Beitrag zur Entlastung von überlasteten und verstopften radialen und tangentialen Strassenachsen in den Agglomerationen zu liefern. Um so wichtiger ist daher eine tatkräftige Mithilfe des Bundes bei der Finanzierung des Agglomerationsverkehrs.
Weitere Ausbauschritte zum integralen Verbund Bereits auf Dezember 2007 ist geplant, auch im Ostschweizer Verbund «Ostwind» Verbund-Einzelbillette auszugeben. Beim Waadtländer Verbund erfolgt ab Dezember 2007 eine Ausdehnung des Verbundgebiets in die Regionen La Côte Est, Pied du Jura und La Broye vaudoise. Auch im Engadin Verbund ist im Winter 2007/2008 der Ausbau zu einem integralen Verbund geplant. Zudem sollen ab Herbst 2007 die bisherigen Mehrfahrtenkarten flächendeckend durch die elektronische EASYDRIVE/ENGADINcard abgelöst werden; bisher war diese nur bei ENGADIN BUS und beim Ortsbus St. Moritz (Linie 3) benützbar. Weitere Schritte zum integralen Verbund stehen in anderen Gebieten zu einem späteren Zeitpunkt bevor. Damit wird das Billettlösen auch für gelegentliche Fahrgäste weiter vereinfacht.
|