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4.1.96
Die Autoverkäufe in der Schweiz haben 1995 kaum zugenommen. Die Stagnation weist auf einen praktisch gesättigten Markt hin. Trotz der Wirtschaftsflaute gibt es keine Verschiebung zu billigeren Modellen. Verzögern könnte sich die erwartete breite Wirkung der Import-Liberalisierung. Ende November zählte die VSAI 257'000 verkaufte Autos. Bereits 1994 war mit rund 270'000 Neuwagen der Verkaufsrekord von 1989 (350'000) weit verfehlt worden. Die konjunkturelle Schwäche sei nicht der einzige Grund für die Stagnation bei den Verkäufen. Erstens stosse der Markt in der Schweiz mit durchschnittlich einem Auto auf 2,2 Einwohner an seine Sättigungsgrenze. Zweitens mache sich seit einigen Jahren der Geburtenrückgang bemerkbar. Paradoxerweise seien Konsumentinnen und Konsumenten trotz Rezession nicht auf billigere Modelle umgestiegen. Im Gegenteil: Verlangt würden immer umfangreichere Ausstattungen. Nebst dem Sicherheitsaspekt sei der Komfort ein ausschlaggebendes Argument. Einzig der Occasionmarkt boomt weiter. Nach Angaben der Marktbeobachterin Eurotax hat sich das Wachstum 1995 allerdings verlangsamt. Rund 600'000 Wagen wurden letztes Jahr wiederverkauft.
5.1.96
Mit dem revidierten Eisenbahngesetz kommen ab Neujahr 1996 sukzessive neue Aufgaben auf die Kantone und Gemeinden zu: Vom 1. Januar an erhalten sie zwar mehr Kompetenzen bei der Angebotsgestaltung im öffentlichen Verkehr, haben aber auch auf breiterem Gebiet finanzielle Beiträge zu leisten. Wichtig für Kantone und Gemeinden dürfte es nun sein, wie sie in den Besitz verlässlicher Offerten kommen, wenn eine bestehende oder neue Linie des öffentlichen Verkehrs zur freien Konkurrenz ausgeschrieben werden soll. Dabei können sie kostengünstig von der kompetenten Beratung durch die Transportunternehmungen des öffentlichen Verkehrs profitieren. Bei der Ausschreibung einer bestehenden oder neuen Linie ist von grosser Bedeutung, dass alle Beteiligten, Besteller und Transportunternehmungen, die gleiche Sprache sprechen und die gleichen Anforderungen an die Angebotsgestaltung einer Linie definieren und z.B. in einem Pflichtenheft festlegen. Im neusten Pressedienst der LITRA ist eine Liste der wichtigsten Anforderungen publiziert.
5. 1.96
Die Bahnen vermögen ihren Aufwand knapp zu vier Fünfteln aus den Erträgen zu decken. Ohne die Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen ist ihre Eigenwirtschaftlichkeit 1994 von 77,8 auf 77,1 Prozent weiter zurückgegangen. Mit der Abgeltung sank sie von 90,6 auf 89,5 Prozent. Bei den SBB verringerte sich die Kostendeckung (ohne Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen) nach den Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) von 84,0 auf 82,8 Prozent. Bei den konzessionierten Bahnen verbesserte sie sich von 51,6 auf 52,3 Prozent. Werden die Entschädigungen der öffentlichen Hand für unrentable Pflichtleistungen eingerechnet, sank die Eigenwirtschaftlichkeit der SBB von 96,6 auf 95,2 Prozent, bei den Privatbahnen von 64,7 auf 64,6 Prozent. Die SBB konnten beim Personenverkehr einen Ertragszuwachs um 9,1 Mio. auf 1702,1 Mio. Fr. verbuchen, die Privatbahnen eine Verbesserung um 1,2 Mio. auf 465,7 Mio. Beim Güterverkehr mussten die SBB einen Rückschlag um 63,1 auf 1122,5 Mio. hinnehmen, die konzessionierten Bahnen einen solchen um 10 Mio. auf 229,3 Mio. Die Entschädigungen zugunsten der SBB (regionaler Personenverkehr, Huckepack) stiegen um 6,0 Mio auf 830 Mio. Fr. an. Die Privatbahnen erhielten für gemeinwirtschaftliche Leistungen und für die Tarifannäherung 12,4 Mio. weniger als 1993, nämlich 187,7 Mio.
9.1.96
Ab sofort ermöglichen 17 weitere Schweizer Bahnhöfe den Geldtransfer von und nach Western Union-Vertretungen in der ganzen Welt. Im zweiten Betriebsjahr haben die 58 bis anhin mit dem System verbundenen Bahnhöfe 47'051 Transaktionen getätigt. Damit wurden die Erwartungen von SBB und Western Union weit übertroffen. Dieser Exklusivdienst ermöglicht Privaten, Touristen und Geschäftsleuten den minutenschnellen Geldtransfer von und nach den in über 100 Länder verteilten 24'000 Geschäftsstellen der Western Union. Bankkonten und Mitgliedschaften sind für das Benützen dieser Dienstleistung nicht erforderlich, und es sind auch keine Mindestbeträge festgesetzt. Die Gebühr richtet sich nach der Höhe der transferierten Summe, beträgt aber mindestens 20 Franken. Die Zusammenarbeit der SBB mit Western Union begann am 1. Dezember 1993. 1994 wurden insgesamt 11'501, im folgenden Jahr schon 47'051 Transaktionen abgewickelt, wovon 90 Prozent von der Schweiz nach dem Ausland. Die durchschnittliche Höhe der überwiesenen Summen betrug 1995 rund 1'000 Franken.
10.1.96
Die Bundesräte Kaspar Villiger (Finanzen) und Moritz Leuenberger (Verkehr) haben sich mit einer Delegation der vier Regierungsparteien getroffen und dabei die Finanzierungsprobleme der anstehenden Eisenbahn-Grossprojekte (Neue Eisenbahn-Alpentransversale Neat, Bahn 2000, TGV-Anschlüsse und Lärmschutz) erörtert. Die Regierungsparteien haben deshalb beim Gespräch verlangt, dass der Bundesrat seinen Entscheid über die Ausgestaltung und Finanzierung der Alpenbahnvorlage um mindestens zwei Monate, also bis Ende März oder Anfang April verschieben soll. Gespräche sollen unter anderem geführt werden zwischen der Arbeitsgruppe "Finanzierung des öffentlichen Verkehrs", die von Ulrich Gygi, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, geleitet wird, und einer am Ende der letzten Session ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe der Bundesratsparteien. Diese besteht aus Pascal Couchepin (Wallis) und Ulrich Fischer (Aargau) für die FDP, Hans Danioth (Uri) und Odilo Schmid (Wallis) für die CVP, Hermann Weyeneth (Bern) und Max Binder (Zürich) für die SVP sowie Andreas Herzog (Zürich) und Andrea Hämmerle (Graubünden) für die SP. Die Bundesratsparteien drängen darauf, dass ein sowohl im Parlament wie auch im Volk mehrheitsfähiger Vorschlag unterbreitet wird.
10.1.96
Die Kosten für Stichkontrollen, Sicherheitskräfte, technische Einrichtungen, Vandalismus, vermehrte Reinigung, Unfälle und Sondertransporte für Behinderte sowie die Einnahmensverluste durch Schwarzfahrten und Verkehrsrückgang seien höher als die Einsparungen durch die Abschaffung der Zugsbegleitung im Regionalverkehr der SBB, haben mehrere Konsumentenorganisationen auf Grund einer Studie an einer Medienkonferenz dargelegt. Der Kriminologe Martin Killias, Professor an der Universität Lausanne, stellte fest, dass die Bahnen durch den Abbau von Zugs- und Stationspersonal die Gelegenheit für Delikte vervielfacht hätten. Durch die in der Schweiz gewählte Form der Selbstbedienung sei ein normatives Dilemma geschaffen worden. Die Reisenden sollten beim Wagenführer gegen Zuschlag einen Fahrausweis kaufen können. Auch müssten sich Mehrfahrtenkarten im Zug entwerten lassen. Mit diesen Massnahmen wäre es möglich, an schwach frequentierten Stationen die Billettautomaten (als mögliche Zielscheiben von Diebstählen und Vandalismus) zu beseitigen. Eine Studie von Judith Hauptlin Schneider, Beraterin für öffentlichen Verkehr in Schachen bei Reute, weist nach, dass die Kosten beim Wegfall der Zugbegleitung höher seien als der Spareffekt. Die SBB bestreiten einen Teil der Zahlen der ihnen unterbreiteten Studie. Die Investitionen für den kondukteurlosen Betrieb beziffern sie auf 55 und die jährlichen Einsparungen auf 30 Millionen Franken. Umstritten sind vor allem die Schwarzfahrerquote und die Ausfälle auf Grund nicht unternommener Fahrten, bei denen sich die Autorin auf Abklärungen des Zürcher Verkehrsverbundes stützt.
11.1.96
Ohne Beitrag des Strassengüterverkehrs, hat der Schweizerische Eisenbahnerverband an einem Mediengespräch betont, sei die Finanzierung der neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) nicht mehrheitsfähig. Nur mit der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe liesse sich die Alpeninitiative umsetzen und die Neat auslasten. Ohne bessere verkehrspolitische Rahmenbedingungen hätten die Bahnen nie eine faire Chance im Wettbewerb.
12.1.96
Der Berner Regierungsrat hat das generelle Projekt für die N-5-Umfahrung von Biel zuhanden des Bundesrates verabschiedet und darin auf den Anschluss Orpund verzichtet. Er beharrt auf dem Vingelztunnel und will durch eine Umklassierung mehr Bundesmittel. Die Gesamtkosten werden auf 1,9 Milliarden Franken veranschlagt.
16.1.96
Die Hupac, die Gesellschaft für den kombinierten Verkehr, hat 1995 im unbegleiteten kombinierten Verkehr (Verlad von Containern, Wechselbehältern und Sattelaufliegern) ihr Ergebnis um 10 Prozent steigern können. Allerdings stagnierten die Umsätze ab September nach einer starken Wachstumsphase in den ersten Monaten des Jahres. Auf Grund der Entwicklung der letzten Monate des Jahres 1995 wird für 1996 ein Verkehrsrückgang oder zumindest eine Stagnation erwartet. Einen Einbruch erlebte der begleitete Huckepackverkehr ("rollende Autobahn"). Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Verladezahlen um 7 Prozent zurück.
17.1.96
Die den SBB gehörende Linie zwischen Wil im St. Galler Fürstenland und Nesslau im oberen Toggenburg solle an ein regional verankertes Bahnunternehmen (Bodensee-Toggenburg-Bahn BT, oder Mittelthurgaubahn MThB) übertragen und nach einem "zukunftsgerichteten Gesamtkonzept" sowohl attraktiver gemacht als auch rationeller betrieben werden. Mit diesem Vorschlag ist die Sektion St. Gallen-Appenzell des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) an die Öffentlichkeit getreten. Auf politischer Ebene will ihn der VCS zudem in Form eines Postulats oder einer Motion dem St. Galler Grossen Rat unterbreiten. Konkret hätte danach der Kanton zusammen mit dem Bund die BT und die MThB einzuladen, Studien zu rechtlichen, finanziellen und betrieblichen Aspekten einer allfälligen Übernahme der Toggenburger Linie zu erarbeiten.
18.1.96
An einer Medienorientierung in Bern haben Vertreter der rund 2700 Mitglieder zählenden Organisation Ärztinnen und Ärzte für den Umweltschutz einen konsequenteren Vollzug der Lärmschutzverordnung gefordert. Angesichts der krankmachenden und belästigenden Auswirkungen auf die Bevölkerung dürften die Sanierungsfristen für Lärmquellen vorab an Strassen und Eisenbahnlinien nicht erstreckt werden. Die auf dem Umweltschutzgesetz basierende Lärmschutzverordnung von 1987 befindet sich noch immer in der Umsetzungsphase. Im vergangenen Jahr führte der Bundesrat eine Vernehmlassung zur Verlängerung der Sanierungsfristen für Strassen und Bahnen bis ins Jahr 2007 durch. Im Bereich der Strassen schätzt das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) den Sanierungsbedarf auf rund 220 km bei den Nationalstrassen, auf rund 360 km an den Hauptstrassen und rund 1800 km bei den übrigen Strassen. Etwa 15 Prozent der Strecken liegen sogar über dem Alarmwert und müssten gemäss Lärmschutzverordnung dringlich saniert werden. Bisher wurden Strassensanierungsprogramme für 225 km und mit Kosten von 530 Millionen Franken geprüft. Aus finanziellen Gründen lässt die Realisierung jedoch noch auf sich warten. Bei den Bahnen liegen die Lärmbelastungskataster vor, und einzelne Sanierungsprojekte wurden auch bereits realisiert. Für die Sanierung des gesamten Netzes wird mit Kosten von drei Milliarden Franken gerechnet. Hauptlärmquelle ist der motorisierte Strassenverkehr.
19.1.96
Dank strengen Vorschriften in den Bereichen Industrie, Feuerungen und Verkehr ist es in der Schweiz in den letzten Jahren gelungen, die Luftverschmutzung zu reduzieren. Bei mehreren Schadstoffen ist jedoch ab etwa 2000 mit einer Stagnation oder gar mit wieder ansteigenden Gesamtemissionen zu rechnen. Diese Tendenz zeigt der neue Bericht des BUWAL zu den Luftschadstoff-Emissionen in der Schweiz in den Jahren 1900 bis 2010.
19.1.96
Zu Beginn dieses Jahres ist in Deutschland der Schienen-Personenverkehr vom Bund in die Verantwortung der einzelnen Länder übergegangen. Im ersten Jahr der Regionalisierung erhalten die Länder vom Bund einen Betrag von 8,7 Mrd. DM, ab 1997 werden es jährlich 12 Mrd. DM sein, wobei dieser Beitrag ab 1998 gemäss der Wachstumsrate der Steuern vom Umsatz dynamisiert werden soll.
19.1.96
Die Emissionsmengen vieler Schadstoffe liegen heute wieder unter dem Stand von 1950. Problematisch sind indes weiter die Werte bei Stickoxiden, flüchtigen organischen Stoffen und CO2: Hier wurde das Ziel des Bundesrates, die Belastung zumindest auf den Stand von 1960 zu senken, bisher nicht erreicht. Zu diesen Schlüssen kommt das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) in seinem neuen Bericht zu den von Menschen verursachten Luftschadstoff-Emissionen. Die Studie, welche die Zeit von 1900 bis 2010 umfasst, zeigt einen markanten Anstieg der Emissionen der meisten Schadstoffe ab 1950. Dieser Trend wurde spätestens 1985 gebrochen; hier hätten die Luftreinhaltemassnahmen von Bund und Kantonen Wirkung gezeigt, schreibt das Buwal. Kaum erkennbar sind die Wirkungen der Massnahmen bei den Stickoxiden, deren Hauptverursacher der Strassenverkehr ist, und bei den flüchtigen organischen Stoffen (VOC), die vor allem aus Industrie und Gewerbe stammen. Die Stickoxide liegen laut dem Bericht heute rund 100 Prozent höher als im Referenzjahr 1960, die VOC rund 50 Prozent. Ungebrochen war ferner der Anstieg der für den Treibhauseffekt hauptsächlich verantwortlich gemachten CO2-Emissionen- wegen des immer noch zunehmenden Verbrauchs von Brenn- und Treibstoff. Wegen des zu erwartenden Verkehrs- und Wirtschaftswachstums dürfte die Abwärtsbewegung, die bei den meisten übrigen Schadstoff-Emissionen zu beobachten war, im übrigen nach Ansicht des Bundesamts schon bald stoppen.
20.1.96
In der Schweiz sind 1995 weniger Führerscheine als im Vorjahr entzogen worden. Die zuständigen Behörden der Kantone und des Bundes haben 1995 insgesamt 47'719 Führerausweise für Motorfahrzeuge entzogen, wie der Statistik des Bundesamtes für Polizeiwesen zu entnehmen ist. Das sind 2,9 Prozent weniger als 1994. Meist dauerte der Ausweisentzug einen oder zwei Monate. Häufigste Gründe waren wie bisher das Missachten der Tempolimiten (41,4 Prozent aller Entzüge) sowie das Fahren in angetrunkenem Zustand (33,1 Prozent). Hauptbetroffen von den Ausweisentzügen wegen Angetrunkenheit war die Alterskategorie der 20- bis 24jährigen Lenker. Die Ausweisentzüge wegen Drogensucht lagen mit 1280 Fällen um 22,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Immer mehr fehlbare Fahrzeugführer müssen zur Nachschulung antreten. Mehr als 4400 Fahrzeugführer seien 1995 aufgeboten worden, weil sie aus ihrem Verhalten zu schliessen den Sinn der Verkehrsregeln oder die Notwendigkeit ihrer Beachtung nicht genügend eingesehen hätten, hiess es.
22.1.96
An Brücken, Tunnels und anderen stark belasteten Nationalstrassenabschnitten können wegen der Kreditkürzungen dringende bauliche Unterhaltsarbeiten nicht durchgeführt werden. Die ständerätliche Verkehrskommission warnt vor der Vernachlässigung dieser Bauwerke und einer Kostenlawine. Durch die Kürzungen seien vor allem beim werterhaltenden baulichen Unterhalt "gravierende Engpässe" entstanden, heisst es in einem Communiqué der Parlamentsdienste. Dies werde in den nächsten Jahren zu einem immer schlechteren Zustand der Bauwerke und zu einer Akkumulation der Kosten führen. Nach Ansicht der Kommission sind die Probleme "eklatant und akut". Von den Ingenieuren wurden die Abgeordneten beispielsweise auf das Eindringen von Wasser in den Beton und das Rosten der Armierung hingewiesen. Für die Autobahnbenützer bestehe zwar noch keine Gefahr. Es gelte aber zu verhindern, dass es so weit komme. Zwei Drittel des in Betrieb stehenden Nationalstrassennetzes seien älter als zwanzig Jahre, sagte Abteilungschef Willi Immer vom Bundesamt für Strassenbau auf Anfrage. Für die Sanierungsarbeiten wären - grob geschätzt und bei steigender Tendenz - jährlich rund 500 Millionen Franken erforderlich. Effektiv stünden dieses Jahr aber an Bundes- und Kantonsmitteln nur 223 Millionen zur Verfügung.
24.1.96
Ab dem 29. Januar 1996 verkehren auf den Strecken der SBB, der Bern-Neuenburg- und Gürbetalbahn in den Kantonen Neuenburg, Bern und Solothurn fünf Regionalzugs-Kompositionen mit Barabteil. Für den Pilotversuch haben die SBB sechs Erst-/Zweitklass-Wagen umgebaut und je zwei von der Firma Selecta betreute Automaten und fünf runde Stehtische installiert. Der Versuchsbetrieb bauert bis Ende Mai 1997.
24.1.96
Der Bundesrat hat 160 Millionen Franken für Sondierstollen am Gotthard-Basistunnel bei Sedrun freigegeben. Damit könnten die Arbeiten an diesem Schlüsselprojekt der Neat bis Mitte 1997 nahtlos weitergeführt werden, teilte das EVED mit. Mit dem Bau soll im kommenden Frühjahr begonnen werden. Im vergangenen Oktober hatte das Parlament dem zweiten Verpflichtungskredit in der Höhe von 855 Millionen Franken zur Realisierung der Neat zugestimmt. Davon sollten jedoch bis zur definitiven Regelung der Finanzierungsgrundlage lediglich Kredittranchen für Sondierstollen an der Gotthard- und der Lötschbergstrecke in Sedrun (Graubünden) und Ferden (Wallis) freigegeben werden. Mit dem Kredit für den Zwischenangriff Sedrun werden laut dem Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement (EVED) unter anderem der Landerwerb und die Ausführungsprojektierung finanziert. Hinzu kommen rund 25 Prozent der Kosten für den Schacht sowie Teile der Erschliessung Surselva. Der Zwischenangriff Sedrun wird als ein zeitkritisches Schlüsselprojekt für das gesamte Alptransit-Projekt beschrieben. Sein Baubeginn und seine Bauzeit bestimmten im wesentlichen den Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels.
24.1.96
Die Aufhebung der Bundesbeiträge an Bahnhofplatzanlagen würde zu höheren Parkgebühren und damit zur schlechteren Benützung von Park-and-rail-Anlagen führen: Mit diesen Argumenten empfiehlt der Touringclub Schweiz (TCS) die betreffende Vorlage an der Volksabstimmung vom 10. März zur Ablehnung. Weiter kritisiert der TCS in der neusten Ausgabe des "TCS-Info" den bundesrätlichen "Salto mortale": 1994 habe der Bundesrat die Streichung der Subventionen mit der nicht nachgewiesenen Effizienz begründet. In den Erläuterungen zur Volksabstimmung heisse es nun, das Ziel sei erreicht, die Finanzhilfe könne damit aufgehoben werden. Die angestrebten Einsparungen von 20 Millionen Franken seien "verschwindend klein" im Vergleich zum Nutzen, schreibt der TCS weiter. Die Benutzung der Parkplätze hänge wesentlich von den günstigen Parkgebühren ab, die nur dank den Subventionen möglich seien. Mit den Bundesbeiträgen falle somit auch ein wichtiger Anreiz für die Benützung der Park-and-rail-Anlagen weg.
26.1.96
Nach mehr als vierzig Jahren Unterbruch baut die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur (SLM) wieder eine Serie Dampflokomotiven. Die erste fertiggestellte Maschine, eine Zahnradlokomotive für die meterspurige Schafbergbahn der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) ist Anfang dieser Woche auf die Reise geschickt worden. Ihr werden zwei weitere Einheiten für die gleiche Bahn und zwei Lokomotiven für die Brienz-Rothorn-Bahn (BRB) folgen. Drei Prototypen für die BRB, Montreux-Glion-Rochers-de-Naye und die Schafbergbahn haben sich seit vier Jahren bewährt. Von den ÖBB wurde eine Lokomotive auch auf der Schneebergbahn (südlich von Wien) erprobt, von der eine nächste Bestellung erhofft wird. Die SLM, die als einzige Unternehmung ausserhalb Chinas Dampflokomotiven baut, sieht nach anfänglichem Zögern gute Marktchanchen für dieses Produkt. Vor allem bei touristischen Bahnen ist die Akzeptanz der Dampftraktion weitaus höher als jene von Dieselfahrzeugen. Moderner Dampf kann sich auch als wirtschaftlicher als der elektrische Betrieb erweisen, weshalb die Generoso-Bahn und eine Bahn in Südwestfrankreich (Chemin de fer de la Rhune) Interesse zeigen. Mit den Indischen Staatsbahnen wird über neue Dampflokomotiven für die Nilgiri-Zahnradstrecke verhandelt. Eine Anfrage liegt von der berühmten Darjeeling-Bahn vor. Ebenfalls gedacht wird, im Rahmen eines Sicherheitskonzepts, an Dampfspeicherlokomotiven für lange Alpentunnel, die bei hohen Temperaturen keiner Kühlung bedürfen und ohne Explosionsgefahr in die Nähe von Brandherden vorrücken könnten.
26.1.96
"Schwalbe" heisst der neue Jugendzug, den die SBB mit Schulklassen aus Murten eingeweiht haben. Die blaugrün gekleideten Wagen werden in Zukunft in diversen Bahnhöfen des Landes gastieren. Dabei zeigen pädagogisch geschulte Referenten der SBB und der Privatbahnen den jungen Besuchern, wie die Bahn funktioniert und wie man sie benützt. Nach der Begrüssung im Konferenz- und Kinoraum können die Schüler die Schalthebel eines echten Lokführerstandes betätigen, an einem elektronischen Schaltergerät selber Billette ausstellen, anhand eines Modells die Führung der Räder auf der Schiene begreifen und anhand einer echten Wagenkupplung ihre Talente (und Kräfte) testen. Durch eine Leuchttafel und bei einer Vorführung einer Fahrleitung, eines Stromabnehmers sowie einer Erdungsstange in Originalgrösse erfahren die Schüler viel über Herkunkt, Eigenschaften und Gefahren des Bahnstromes. Schliesslich ist es möglich, auf einer Modellbahnanlage mit einem Gleisbild-Stellwerk des Typs "Domino" die Sicherheit des Bahnbetriebes zu erleben.
29.1.96
Die finanziell bedrängte Betriebsgesellschaft des Bahntunnels zwischen Grossbritannien und Frankreich, Eurotunnel, hat in den Verhandlungen mit ihren Kreditbanken eine wichtige Rükkenstärkung erhalten. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die französische Bankenkommission empfohlen hatte, auf den an Eurotunnel vergebenen Krediten Wertberichtigungen von 30 % vorzunehmen. In Londoner Bankenkreisen wird dieser Schritt als eine Stärkung der Hand bei beiden Co-Präsidenten von Eurotunnel, Patrick Ponsolle und Alastair Morton, gewertet, die das Konsortium von mehr als 220 internationalen Banken zu einer Restrukturierung der rund 8 Mrd. £ betragenden Kredite bewegen wollen. Eurotunnel hatte im September die Bedienung der Kredite unterbrochen. Die beiden führenden britischen Kreditbanken von Eurotunnel, Midland Bank und National Westminster, sind mit je rund 300 Mio. £ exponiert; Bankenanalytiker nehmen an, dass die Wertberichtigung bis zu 100 Mio. £ ausmachen werden. Die französischen Hauptgläubiger sind Crédit Lyonnais und Banque Nationale de Paris mit Krediten von je rund 2,5 Mrd. fFr. Die Empfehlung der Commission Bancaire kann als Hinweis interpretiert werden, dass die Banken nicht mehr von einer vollständigen Rückzahlung der Kredite ausgehen können.
30.1.96
Zehn Jahre nach der Einführung des computergestützten Billettverkaufs hält die Informatik bei den SBB auf neuen Ebenen des Verkaufs- und der Kundeninformation Einzug. "Prisma", das grösste je von den SBB umgesetzte Software-Projekt, erspart dem Verkaufs- und Beratungspersonal der Bahnen beim Ausstellen der 3500 möglichen Fahrausweisartikel von überall nach irgendwo den zeitraubenden Griff nach dem Kurs- und Tarifhandbuch. Mit dem "Sprechenden Fahrplan" und den "Multimedia-Säulen" testen die SBB zudem neue Möglichkeiten des Verkaufs und der Information. Unter der Adresse "httb://www.sbb.ch/" bieten die SBB als erste Bahn Europas in Eigenregie über Internet unter anderem Fahrplan, Angebots- und Presseinformationen an.
30.1.96
Dank der Benzinpreiserhöhung hat sich die Kostenunterdeckung des Strassenverkehrs 1993 verringert. Die Eigenwirtschaftlichkeit ist von 84,1 auf 97,2 Prozent gestiegen. Während die Personenwagen einen Fehlbetrag von 150 Millionen verzeichneten, wertete der Schwerverkehr mit einem Überschuss von 36,5 Millionen auf. Die Strassenrechnung erfasst die Kosten für Bau und Unterhalt der Strassen (Nationalstrassen voll, Kantons- und Gemeindestrassen zu 90 bzw. 70 Prozent), für Verkehrsregelung und Signalisierung, für die Verwaltung und für die Zinsen. Auf der Ertragsseite stehen die Treibstoffzölle, die Einfuhrzölle, die Motorfahrzeugsteuern und die Strassenverkehrsabgaben. Nicht berücksichtigt werden die externen Kosten. 1993 stiegen die anrechenbaren Einnahmen des Strassenwesens laut Mitteilung des Bundesamtes für Statistik (BFS) um 867 auf 6064 Millionen Franken. Dazu trug namentlich der Treibstoffzoll bei, der Anfang März 1993 um 20 Rappen je Liter erhöht wurde. Seine Erträge blieben allerdings um rund 400 Millionen unter dem Budget, weil weniger Treibstoff verbraucht wurde und der Benzintourismus an der Grenze abnahm. Dieser Trend hat sich 1994 fortgesetzt. In der Kapitalrechnung, welche die längerfristige Entwicklung der Kostendeckung widerspiegelt, nahmen die Kosten aus den Abschreibungen, den Zinsen und den effektiven Ausgaben für Unterhalt und Betrieb der Strassen um 62 auf 6240 Millionen zu. In der kurzfristig aussagekräftigeren Ausgabenrechnung, welche die laufenden Strassenausgaben und den Zins auf den Vorjahressaldi erfasst, nahmen die zurechenbaren Ausgaben für den privaten Strassenverkehr insgesamt um 83 auf 7208 Millionen zu. Daraus ergab sich eine von 1928 auf 1144 Millonen verringerte Unterdeckung. Der Deckungsgrad stieg so von 73 auf 84 Prozent an.
31.1.96
Die Mautgebühren auf den französischen Autobahnen werden am 1. Februar für Personenwagen um durchschnittlich 2,7 Prozent steigen. Das teilte die Vereinigung der Autobahngesellschaften in Paris mit. Die Tariferhöhungen sind nach Gesellschaften und Regionen verschieden. Sie erreichen 5,1 Prozent im Westen des Landes, 4,42 Prozent in der Normandie und 2,5 Prozent auf der Autobahn von Paris in den Süden Frankreichs.
31.1.96
Die empfindliche Erhöhung der Maut besonders auf der Brennerautobahn tritt trotz einem erneuten Protest des deutschen Verkehrsministers Wissmann wie geplant in Kraft. Wissmann wies nach Angaben seines Ministeriums in seinem Schreiben darauf hin, die drastische Erhöhung sei mit der entsprechenden EU-Richtlinie unvereinbar. Die geplante Höhe der Mautgebühren führe zu Belastungen, die innerhalb der Gemeinschaft jeden Vergleich sprengten. Die Maut erhöht sich von derzeit 1000 Schilling (rund 100 Franken) pro Fahrzeug mit mehr als drei Achsen künftig auf 1500 Schilling.
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