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(Bern, 17.9.98). Je älter die Bevölkerung im Durchschnitt wird, desto mehr öffentlichen Verkehr braucht es, um ein Minimum an Mobilität zu sichern. Ein gezielter Ausbau des öffentlichen Verkehrs auf Schiene und Strasse liegt deshalb im Interesse der Gesellschaft. Wie aus dem soeben erschienenen Jahresbericht des Informationsdienstes für den öffentlichen Verkehr LITRA hervorgeht, kommt der Volksabstimmung von Ende November über den Bundesbeschluss über Bau und Finanzierung von Infrastrukturvorhaben des öffentlichen Verkehrs (NEAT, Bahn 2000, Hochgeschwindigkeitsanschlüsse, Lärmschutz) eine herausragende Bedeutung zu. Diese Vorlage bringt dem öffentlichen Verkehr einen Technologieschub, wie sie der Privatverkehr in den 60er Jahren mit dem Beginn des Autobahnbaus erhalten hat. Untersuchungen zeigen gemäss der LITRA-Publikation, dass die demographische Alterung der Gesellschaft durch die Mobilitätsabnahme im Alter die Verkehrsentwicklung der Schweiz in Richtung Umlagerung auf die öffentlichen Verkehrsmittel beeinflusst. Auch die wachsende Anzahl kleiner Haushalte wird die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln erhöhen. In der Schweiz kommt im Durchschnitt ein Viertel der Haushalte ohne eigenes Auto aus. Dabei bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. In grossen Städten sind 39 Prozent der Haushalte ohne Auto, in Basel sogar fast die Hälfte, in ländlichen Gebieten dagegen nur 17 Prozent. Im Zuge von tendenziell zunehmender Freizeit, generell steigender Haushalteinkommen, steigendem Bewusstsein für umweltgerechtes Verhalten u.a.m. nimmt auch das Interesse für neue Formen der Mobilität zu. Darauf reagieren die öffentlichen Transportunternehmungen geschickt mit attraktiven Angebotskombinationen. Die LITRA gelangt in ihrem Jahresbericht zum Schluss, dass die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs zur Gewährleistung eines wichtigen Teils der Mobilität der Gesellschaft in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.
Zur Gewährleistung einer ausreichenden Mobilität, die sich an derjenigen des privaten Verkehrs messen muss, gehören nach Meinung der LITRA die möglichst rasche Realisierung der grossen Infrastrukturvorhaben Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) am Gotthard und am Lötschberg, Bahn 2000 1. und 2. Etappe, die Einbindung in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz und der Lärmschutz. Diese Vorhaben werden einen Modernisierungsschub des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz auslösen, wie es beim privaten Verkehr in den 60er Jahren mit dem Baubeginn des schweizerischen Autobahnnetzes geschehen ist. Um jedoch keine Ungleichgewichte im Ausbaustandard des öffentlichen Verkehrs in den Städten und Agglomerationen sowie im Regionalverkehr entstehen zu lassen, ist es wichtig, dass der Bund nicht immer mehr Problemlösungsaufgaben an untere Ebenen wie die Kantone und Städte überträgt, z.B. bei der Luftreinhaltung und beim Lärmschutz, ohne gleichzeitig die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, oder sie gar zu kürzen, wie dies im Rahmen des Stabilisierungs-/Lastenverschiebungsprogrammes leider der Fall ist. Generell muss der Bund sich viel stärker als bisher im Stadt- und Agglomerationsverkehr finanziell engagieren, leben doch gemäss Volkszählung 1990 in 50 Agglomerationen und neun isolierten Städten fünf von sieben Millionen Schweizerinnen und Schweizern oder 70 Prozent der Bevölkerung.
Mit verstärkter Investitionstätigkeit beim öffentlichen Verkehr wird vermehrt die öffentliche Hand als wirtschaftlicher Faktor in ihrer Eigenschaft als Arbeit- und Auftraggeber in den Vordergrund treten. Die eingesetzten Geldmittel haben fast ausschliesslich investiven Charakter, verteilen sich auf alle Branchen des Landes und sichern direkt und indirekt Arbeitsplätze im ganzen Land. Heute schon vergeben die öffentlichen Transportunternehmungen pro Jahr für über 3 Milliarden Franken Aufträge an die einheimische Wirtschaft, was direkt und indirekt rund 100 000 Arbeitsplätze sichert. Ueber den Multiplikatoreffekt vergrössern sich die Investitionssummen um ein Mehrfaches. In diesem Sinne heben Investitionen in den öffentlichen Verkehr den Wohlstand des Landes uns seiner Bevölkerung auf zwei Arten: Sie sichern die Grundversorgung mit Mobilität für alle Schichten und stärken das Land in wirtschaftlicher Hinsicht.
Der neuste LITRA-Jahresbericht enthält wiederum eine Fülle von illustrierten und zum Teil grafisch gestalteten Informationen zum aktuellen verkehrspolitischen Geschehen. Wie in den vergangenen Jahren hat die LITRA im übrigen die in der Schweiz einzige Verkehrschronik mit allen wichtigen verkehrspolitischen Ereignissen eines Jahres nachgeführt und auf den neusten Stand gebracht.
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