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LSVA im Interesse der Wirtschaft

(Bern, 30.5.97). Für die LITRA, den Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr, ist es unverständlich, dass die verladende Wirtschaft gegen die Einführung einer längst fälligen wirksamen leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) Sturm laufen soll, wie das Swiss Shippers Council heute an einer Pressekonferenz glauben machen will. Dabei liegt gerade die LSVA im ureigensten Interesse der verladenden Wirtschaft. Nur mit einer LSVA von anfänglich 2,5 bis 3 Rappen pro Fahrzeugtonnenkilometer hat die verladende Wirtschaft einigermassen die Gewähr, dass sie weiterhin auf einen leistungsfähigen Bahngüterverkehr zählen kann. Eine tiefere Abgabe für den Schwerverkehr auf der Strasse drängt den Bahngüterverkehr noch mehr zurück und kann schliesslich zu dessen vollständiger Einstellung führen. Privatbahnen haben bereits entsprechende Beschlüsse in diese Richtung gefällt.

Eine Einstellung des Bahngüterverkehrs hätte jedoch verheerende Folgen: Für hunderte von Millionen Franken müssten Anschlussgeleise verschrottet werden. 90 Prozent des Bahngüterverkehrs rollt über Anschlussgeleise! Die verladende Wirtschaft würde zu Recht Schadenersatzforderungen stellen. Sie hätte keine Verkehrsmittelwahl mehr und wäre dem alleinigen Preisdiktat des Strassenschwerverkehrs ausgesetzt und erpressbar. Unsere Strassen würden mit Tausenden von zusätzlichen Lastwagen (vor allem auch ausländischer Herkunft) überschwemmt. Dies würde zu noch mehr Staus und verspäteter Ablieferung der Güter führen. Schon heute wird vielerorts eine Autobahnspur praktisch von Lastwagen belegt, was immer wieder zu waghalsigen Ueberholmanöver führt. All das kann nicht im Interesse der verladenden Wirtschaft liegen. Es wäre für sie vorteilhaft, wenn sie über ihre Verbände vielmehr dafür sorgen würde, dass die Bahnen in ihren Bestrebungen um höhere Produktivität und Leistungsfähigkeit unterstützt würden.

Letztlich ist es die Politik, welche mit besseren Rahmenbedingungen entscheidet, ob sie einen Bahngüterverkehr will und wieviel Güter auf der Bahn befördert werden sollen. Die Wirtschaft wird sich auf die LSVA als marktwirtschaftliche Massnahme einstellen, wenn sie einmal beschlossen ist.

 

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