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Liberalisierung und Wettbewerb im Güterverkehr

(Uitikon/Bern, 17.12.04). Ohne das Engagement aller an der Logistikkette beteiligten Akteure findet die Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene und damit die Entlastung der Strasse vom Schwerverkehr kaum statt. So lautet das Fazit einer Standortbestimmung aus der Praxis zur Liberalisierung des Bahngüterverkehrs, bei deren Umsetzung die Schweiz bei den Spitzenreitern ist. Staatliche Subventionen dienen zwar als Startbeitrag. Eine nachhaltige Verbesserung des Modalsplits zu Gunsten der Güterbahn erfordert gezielte Investitionen durch die verladende Wirtschaft, mit entsprechender Investitionssicherheit, sowie eine flexible Angebotsgestaltung der Güterbahnen. Dies zeigt ein Handbuch des VAP und der Litra, das soeben erschienen ist und die Güterverkehrs-Entwicklungen in Europa aus der Sicht der Praxis auf leicht verständliche Art präsentiert.

Die Europäische Union verordnete in der Richtlinie 440 des Jahres 1991 die Erneuerung der Strukturen und Abläufe des Bahngüterverkehrs. Die organisatorische Trennung von Infrastruktur und Betrieb und die Öffnung der Bahnnetze für neue Anbieter sollen Wettbewerb erlauben, der mehr und neue Verkehre auf Europas Schienen bringt.
Der verordnete Schrittwechsel harzte, bis Mitte der 90er Jahre die verladende Wirtschaft sich selbst zu organisieren begann. Vorab Werksbahnen grosser Industrieunternehmen nutzten als erste die Chancen der Liberalisierung. Aus den Pilotprojekten von BASF entstand die heutige rail4chem, die erste europäische Güterbahn. Reeder gründeten die European Rail Shuttle (ERS), die heute als bedeutendes Eisenbahnverkehrsunternehmen ERS Railways Containerzüge durch die Schweizer Alpen führt.

Die Schweiz an der Spitze
Die Schweizer sind bezüglich Verkehrsfragen sensibilisiert und haben sich in mehreren Abstimmungen für die Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene und damit für die Entlastung der Strasse ausgesprochen. Als Nicht-EU-Land öffnete die Schweiz bereits 1999 mit der Bahnreform 1 das Schienennetz nach dem Modell der EU.
Den Spagat zwischen Verpflichtung als Transitland von grosser Bedeutung für Europas Prosperität und seiner Eigenständigkeit hat es bis heute mit Massnahmen wie der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) gemeistert. Für die Verlagerung des Nord-Süd - Transitverkehrs auf die Schiene bzw. den Bau der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen investiert die Schweiz namhafte Summen.

Der Wettbewerb nimmt Form an
«Wo stehen wir heute?», fragt das Handbuch. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit dem konjunkturellen Abschwung der letzten Jahre und dem dadurch reduzierten Volumen für alle Transporteure erschweren die Interpretation von Statistiken. Sicher ist: Die Strasse hat die veränderte Ausgangslage und die voraussehbaren Mehrkosten durch Mauten und Abgaben mit Effizienzsteigerungen und Optimierungen mehr als kompensiert. Auf den Schienennetzen beginnt der Wettbewerb Form anzunehmen und die Entwicklungen dynamisieren sich.
Der Eintritt der neuen Eisenbahnunternehmen TX Logistik und rail4chem in und durch die Schweiz sowie die strategische Neuausrichtung der Schweizer Güterbahnen SBB Cargo, BLS Cargo und RM Regionalverkehr Mittelland schaffen neue Voraussetzungen für die verladende Wirtschaft. Der Schweizer Kombioperateur Hupac hat die Chance der Liberalisierung ergriffen und seine Traktionsbedürfnisse europaweit ausgeschrieben. Lastwagenunternehmen suchen und Speditionen verstärken Kooperationen mit Güterbahnen, um trotz den wachsenden Schwierigkeiten auf der Strasse ihren Kunden weiterhin pünktliche Transporte zu erbringen.

Eine Fotografie der aktuellen Lage
In dieser spannenden Phase des Umbruchs bietet das Handbuch eine Standortbestimmung aus der Praxis. Es umreisst in einem ersten Teil den Stand der europäischen und schweizerischen Verlagerungs- und Liberalisierungspolitik im Herbst 2004. Im zweiten Teil schildert es Erfolge und Hindernisse bei der Verkehrsverlagerung anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag. Im dritten Teil schliesslich präsentiert es Thesen über den Einfluss der Maut sowie zukünftige Entwicklungen. Ziel des Werks ist es, die Zielerreichung der Politik der Vergangenheit anhand der heutigen Realität zu analysieren und Impulse für die verkehrspolitische Diskussion von Morgen zu geben.

Güterverkehr in handlichem Format
Autor des Handbuchs «Liberalisierung des Bahngüterverkehrs und Verkehrsverlagerung durch die Alpen – Standortbestimmung aus der Praxis» ist der Kommunikationsberater und Fachpublizist Kurt Metz. Aus seiner über zwanzigjährigen Erfahrung mit Verkehrsverlagerungsthemen in ganz Europa schildert er anschaulich die Prozesse, die sich mit dem Liberalisierungsauftrag der EU seit 1991 entwickeln und den alpenquerenden Verkehr durch die Schweiz massgeblich beeinflussen. Das übersichtlich gestaltete Handbuch im Format A5 enthält einen ausführlichen Teil mit Begriffen, Abkürzungen und Links. Preis für ein Einzelexemplar CHF 48.-, plus Porto. Bestellungen per Mail an info@cargorail.ch.

 

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