Die Fähren in der Schweiz - eine Übersicht
litra. Mit dem Beginn der Wanderzeit taucht immer wieder der Wunsch auf, eine Route in Flussnähe aufzusuchen. Eine geeignete Fähre ausfindig zu machen, damit eine Wanderung oder eine Radtour auch jenseits des Flusslaufs weitergeführt werden kann, gestaltet sich aber nicht ganz einfach.
Auch Autofahrer schätzen die Dienste der (grossen) Fähren, um eine Seeüberquerung ohne lästige Umwege uns Staus zu absolvieren. Doch die Planung einer Wanderung oder einer Radtour – verbunden mit einer Flussüberquerung – gestaltet sich nicht ganz einfach: Die in der Schweiz verstreuten Fussfähren sind nämlich im Offiziellen Kursbuch kaum enthalten. Neben den drei Autofähren, die selbstverständlich auch anderen Fahrgästen zur Verfügung stehen, hat einzig die Rheinfähre Tössegg–Buchberg den «Sprung» in das Feld 3765 des Offiziellen Kursbuchs geschafft. Und wer in der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Publikation «Der öffentliche Verkehr» nachforscht, sucht die Fähren vergebens: Unter der Rubrik «Schifffahrt» figurieren nur die Schiffe auf den Seen, zusammen mit den drei Autofähren-Betrieben auf dem Vierwaldstättersee, Zürichsee und Bodensee, während die übrigen – wohl ebenso zum öffentlichen Verkehr zu zählenden – Fähren unerwähnt bleiben. Auch die vom Bundesamt für Raumentwicklung (are) und vom Bundesamt für Verkehr (BAV) gemeinsam publizierte Übersicht «Touristische Transportanlagen der Schweiz (TTA-Statistik)» nennt zwar alle in der Schweiz in Betrieb stehenden Skilifte, Seilbahnen, Standseilbahnen, Schmalspurbahnen und Zahnradbahnen, welche ausschliesslich oder vorwiegend von Touristen bzw. für den Freizeitverkehr benutzt werden. Doch auch hier fehlen die Fähren, die indessen vielerorts als touristische Transportanlagen par excellence bezeichnet werden können.
Interessant an der vom LITRA-Informationsdienst publizierten Übersicht der Fähren ist, dass es sich bei 10 der 34 aufgeführten Fähren um «grenzüberschreitende» oder vielmehr «grenzüberschwimmende» Verkehrsmittel handelt, indem diese eine bequeme Verbindung zwischen der Schweiz und Deutschland herstellen. Aufgeführt sind neben den Autofähren nicht nur die sogenannten «Gierfähren» – also Fähren, die an einem über den Fluss gespannten Seil hängen – sondern auch einige Bootsverbindungen, welche den Wanderern grössere Umwege ersparen. Wer also die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel optimal planen möchte und sich dabei nicht durch Flüsse und Seen aufhalten lassen will, kann die Übersicht als kleinen Ratgeber mit sich tragen.
Kästen
Aus für die Aarefähre beim Stausee Niederried litra. Kürzlich hat die Aarefähre zwischen Oltigen (Gemeinde Radelfingen) und Au (Golaten) ihren Betrieb eingestellt. Vorbei ist es daher mit dem schönen Brauch, auf dem Damm beim Niederried-Stausee die altertümliche Glocke zu betätigen, damit Gerhard Ramseier die Wanderer mit der Fähre zum anderen Aareufer übersetzt. Die Anforderungen an die Sicherheit waren zu gross, so dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis mehr zueinander standen. Bauer Ramseier hatte die Fähre jahrelang zusammen mit seiner Frau ehrenamtlich betreut, doch damit ist nun Schluss. Das Auto auf der Fähre vergessen litra. Wie erholsam eine Fahrt mit der Fähre sein kann, und ein Fahrgast alles um sich herum zu vergessen scheint, zeigte sich kürzlich bei der Zürichsee-Autofähre Horgen–Meilen: Nach der letzten Tagesfahrt verliess ein 26-jähriger Autofahrer in Meilen die neuste Zürichsee-Fähre «Burg». Kaum ausgestiegen, bemerkte der Mann, der die Fähre ebenso regelmässig als Fussgänger benützt, das Fehlen des Autos und avisierte die Seepolizei. Auch die Fähren-Besatzung bemerkte den leeren Wagen – es herrschte ein ungutes Gefühl: War jemand über Bord gesprungen oder in den See gefallen? Die Seepolizei informierte umgehend den Fährenbetrieb. Mit dem allerletzten Kurs konnte der autolose Fahrer von Meilen nach Horgen zurückfahren und dort seinen Wagen wohlbehalten in Empfang nehmen. Die Weiterreise ins Zürcher Oberland musste er aber über den Seedamm einschlagen. Aber ausser den zusätzlichen Billettkosten von acht Franken wurden dem Vergesslichen keine weiteren Kosten belastet. «Manchmal auch länger» litra. Schweizerische Fahrgäste sind sich gewohnt, bei Bahnen, Bussen und Schiffen minutengenaue Verkehrszeiten vorzufinden, die dann meist auch pünktlich eingehalten werden. Anders bei den Fähren, wo manchmal zuerst mit einer Glocke die Fähre vom anderen Flussufer herbeigerufen werden muss. Aber auch die Verkehrszeiten sind nicht überall minutengenau angegeben – das Wetter spielt manchmal auch ein Rolle, ob am Abend der Fährenbetrieb etwas früher eingestellt wird. So heisst es etwa bei der St. Albanfähre in Basel: «I’sch d’Fahne uff em Dach – fahrt d’Fähri übere Bach». Und bei den letzten Fahrzeiten am Abend prangt bei der Münsterfähre in Basel der vielsagende Hinweis: «Manchmal auch länger».
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