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Vor 150 Jahren wurden zehn neue Bahnstrecken eröffnet

Bahn-, Tram-, Fähren- und Busjubiläen im Jahr 2008

litra. (27.9.2007) Auch im kommenden Jahr können zahlreiche Bahn-, Tram-, Fähren- und Buslinien einen runden Geburtstag feiern: Nicht weniger als zehn Bahnstrecken wurden vor 150 Jahren eröffnet, während es vor 125 Jahren drei Bahnstrecken, eine Tramstrecke und eine Standseilbahn waren. Von den Bahnen, die 2008 hundert Jahre alt geworden wären, sind sechs inzwischen teilweise auf Autobus umgestellt worden. Wichtigstes Ereignis vor 75 Jahren war wohl die Inbetriebnahme der Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen. Neun neue Luftseilbahnen entstanden schliesslich vor 50 Jahren und deren acht vor 25 Jahren.

Zehn 150-jährige Bahnstrecken
Der älteste Jubilar aus dem Jahr 1858 betrifft die grenzüberschreitende Bahnstrecke vom französischen Seyssel über Bellegarde zur Grenzstation La Plaine und nach Genf. Es handelte sich dabei um die zweite Verbindung zwischen der Schweiz und dem westlichen Nachbarland. Genf wurde am 18. März 1858 zunächst von französischer Seite her mit dem Bahnnetz verbunden; erst ein Vierteljahr später erfolgte am 25. Juni 1858 der Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz. Die grenzüberschreitende Strecke zwischen Genf und Bellegarde wird nicht nur von zahlreichen TGV-Zügen Richtung Paris und Südfrankreich befahren, sondern auch von Lokalzügen; heute verkehren von Montag bis Freitag neun durchgehende Züge von Genf über La Plaine bis Bellegarde.
In drei Etappen wuchs das Eisenbahnnetz dann längs des Lac Léman: Am 14. April 1858 konnte die Strecke zwischen Morges und Coppet und eine Woche später die Fortsetzung bis Versoix eröffnet werden, während am 25. Juni 1858 Genf nun auch von der Schweizer Seite her ans Bahnnetz angeschlossen werden konnte. Auf den 1. Mai 1858 war dann die Strecke von Läufelfingen durch den Hauensteintunnel nach Olten bereit. Mitte Mai 1858 konnte die noch bestehende Lücke zwischen Aarau und Brugg geschlossen werden. Doch auch im Osten des Landes wuchs das Bahnnetz, konnte doch am 1. Juli 1858 die Strecke von Rheineck über Sargans bis Chur in Betrieb genommen werden. Ein höchst kurzlebiges Stück Bahn wurde am 1. August 1858 zwischen Biel/Bienne und Nidau eröffnet, denn bereits im Dezember 1860 wurde die lediglich zwei Jahre alte und 840 Meter lange Bahnstrecke der Schweizerischen Centralbahn (SCB) wieder eingestellt. Der Grund? Die Bahnpassagiere mussten zunächst in Nidau auf die Schiffe umsteigen, weil damals das Eisenbahnnetz von der Westschweiz her in Yverdon endete. 1860 war jedoch auch die letzte Bahnlücke zwischen Biel und Le Landeron geschlossen, womit das mühsame Umsteigen aufs Schiff der Vergangenheit angehörte.
Zwei kurze, aber wichtige Ergänzungen des schweizerischen Eisenbahnnetzes ergaben sich am 15. August 1858 mit der Glatttalbahn-Strecke von Wetzikon nach Rüti ZH und am 15. November 1858 mit der Strecke vom provisorischen Bahnhof im Wylerfeld bis nach Bern.

Vier zusammenhängende Eisenbahnnetze im Jahre 1858
Die im Jahr 1858 eröffneten zehn Bahnstrecken ergaben ein durchgehendes Eisenbahnnetz ab Basel nach Olten und dann im Westen über Herzogenbuchsee nach Bern sowie nach Biel/Bienne und Nidau. Im Süden fuhren die Züge ab Olten bis nach Emmenbrücke und im Osten via Brugg–Zürich bis nach Winterthur. Dort bestanden Fortsetzungen Richtung Schaffhausen, Romanshorn sowie St. Gallen–Rorschach–Buchs SG–Chur. Zudem bestand in Wallisellen ein Anschluss mit der Glatttalbahn bis nach Rüti ZH. Neben diesem doch schon recht imposanten zusammenhängenden Eisenbahnnetz bestand noch eine direkte Verbindung von Yverdon über Lausanne nach Genf und weiter nach La Plaine. Zudem existierten zwei isolierte Strecken von La Chaux-de-Fonds nach Le Locle und von Villeneuve nach Bex.

Vor 125 Jahren: Drei Bahnstrecken, eine Tramstrecke und eine Standseilbahn
Am 19. August 1883 – also vor 125 Jahren – konnte zwischen Territet und Glion eine Standseilbahn eröffnet werden, die noch während Jahren mit Wasserballast betrieben wurde. So stellte man jeweils kurz vor Abfahrt fest, wieviel Fahrgäste bergwärts und wieviel talwärts zu befördern waren und füllte den unter dem Wagenkasten angebrachten Wassertank mit der benötigten Flüssigkeit. Gleich zwei Teilstrecken der damals noch selbstständigen «Seethalbahn» entstanden ebenfalls vor 125 Jahren: Am 3. September 1883 war es die Strecke von Emmenbrücke nach Beinwil am See und am 15. Oktober 1883 die Fortsetzung bis Lenzburg. Diese mit englischem Kapital unter dem Namen «The Lake Valley of Switzerland Railway Company» billigst gebaute Dampfstrassenbahn wurde 1910 recht fortschrittlich elektrifiziert. Auf den 1. Januar 1922 wurde die Strecke wegen ihrer aussergewöhnlichen Ertragskraft verstaatlicht, sank dann aber zu einem unbedeutenden Anhängsel der grossen SBB herab. Seither ist die immer wieder von der Einstellung bedrohte Strecke durchgehend modernisiert und mit zweckmässigem modernem Rollmaterial ausgerüstet worden. Buffetwagen wie anno 1903 findet man allerdings keine mehr auf dieser auch landschaftlich äusserst reizvollen Strecke.
Am 24. September 1883 konnte das Traverstal mit der Bahn erschlossen werden und am 20. Oktober 1883 verkehrte das grenzüberschreitende Genfer Tram von Moillesulaz nach Annemasse.

Zahlreiche vor 100 Jahren eröffnete Bahnen wurden seither wieder eingestellt
Nicht weniger als acht der insgesamt 20 vor 100 Jahren eröffneten Bahnstrecken sind seither wieder eingestellt und teilweise auf Autobusbetrieb umgestellt worden: So die Bahnstrecke im Genfer Grenzgebiet von Croix-de-Rozon nach Collinges-sous-Salève und die Tramstrecken von Locarno nach San Antonio und nach Minusio. Ebenfalls wurden die vor 100 Jahren in Betrieb genommenen Tramstrecken von Zürich Seebach nach Glattbrugg und von der Hardstrasse zur Nordbrücke seither wieder eingestellt. Auf Trolleybusbetrieb umgestellt wurde seither auch die vor 100 Jahren eröffnete Tramlinie vom Berner Bahnhof ins Brückfeld. Zudem verkehren zwischen Sumiswald-Grünen und Wasen im Emmental keine Personenzüge mehr. Ein kurzes Leben war zudem dem Wetterhornaufzug bei Grindelwald beschieden, verkehrte er doch lediglich während sechs Jahren von 1908 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Seit 100 Jahren in Betrieb sind die Bahnstrecken von Monthey-Ville nach Champéry-Village, von Ramsei nach Huttwil (dort verkehrt zur Zeit lediglich noch ein einziger Zug pro Tag und Richtung, während sonst Autobusse eingesetzt sind), von Celerina Staz via Pontresina bis Bernina Suot und von Poschiavo nach Campocologno–Tirano, von Samedan nach Pontresina und von Solothurn West durch den Weissensteintunnel nach Moutier.
Vor 100 Jahren konnten auch die beiden Standseilbahnen von Interlaken auf den Harder und von Cassarate nach Suvigliana (Monte Brè) eröffnet werden. Zudem kam in Basel die Tramlinie nach Riehen in Betrieb.

Vor 75 Jahren verkehrte erstmals die Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen
Vor 75 Jahren konnte die Standseilbahn von Schwyz (Schlatti) auf den Stoos eröffnet werden; dazu kamen noch zwei Tramstrecken in Lausanne. Wichtigstes Ereignis war in diesem Jahr wohl die Inbetriebnahme der Zürichsee-Fähre zwischen Horgen und Meilen, die manchem Automobilisten eine längere Umwegfahrt (und dabei wohl hie und da auch einen Verkehrsstau) erspart hat. Allerdings war die Eröffnung nicht sang- und klanglos über die Bühne gegangen. Das erste Fährschiff mit zwei Dieselmotoren der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur (SLM) fuhr nämlich bei der Probefahrt am 8. Juli 1933 nicht wie erwartet geradeaus, sondern drehte sich im Kreis herum – und zum Schaden kam der Spott. Erst nachdem hinter jeder der vier Schiffsschrauben ein Steuerruder eingebaut worden war, konnte die Fähre am 4. November 1933 ihren fahrplanmässigen Betrieb aufnehmen. Seither hat diese «Brücke über den See» ihre Daseinsberechtigung Jahr für Jahr unter Beweis gestellt.

Neun neue Seilbahnen und zahlreiche Betriebsumstellungen im Jahr 1958
Gleich neun neue Seilbahnen konnten vor 50 Jahren eröffnet werden. Umgestellt auf Trolleybus wurde in diesem Jahr die Strecke von Vevey nach Clarens. Eine Umstellung auf Autobus erfolgte zudem zwischen Steffisburg und Thun, zwischen Parc des Eaux-Vives in Genf nach Vésenaz–Hermance (F) und zwischen Moillesulaz und Annemasse (F). Wegen schlechtem Gleiszustand und geringen Frequenzen wurde die Freiburger Tramstrecke von La Poya nach Grandfey ersatzlos aufgehoben. Weitere, nicht ganz alltägliche Umstellungen in der Betriebsform ergaben sich zudem zwischen Lausanne-Flon und Ouchy (Umstellung von Standseilbahn auf Zahnradbahn) und zwischen Rheineck und Walzenhausen (Umstellung von Adhäsionsbahn bzw. Standseilbahn auf gemischte Adhäsions- und Zahnradbahn).

Vor 25 Jahren: Acht neue Seilbahnen, eine neue Buslinie, klimatisierte Wagen
Auch anno 1983 hielt der Seilbahnboom an, wurden doch insgesamt acht Seilbahnen eröffnet, davon nicht weniger als sechs in den Monaten November und Dezember.
Am 31. Oktober 1983 wurde das Busnetz der Städtischen Verkehrsbetriebe Bern (SVB) mit der Linie Spiegel bei Bern–Blinzern ergänzt. Zudem konnte Ende Mai 1983 die Schleife von Sargans nach Trübbach in Betrieb genommen werden; diese wird von den internationalen Zügen von Zürich nach Österreich befahren, womit der frühere Lokwechsel in Sargans entfallen kann.
Erfreut haben die Intercity-Reisenden der 2. Klasse die vor 25 Jahren abgelieferten klimatisierten Einheitswagen des Typs EW IV zur Kenntnis genommen; zusammen mit ebenfalls klimatisierten neuen Speisewagen und den seit 1981 abgelieferten Erstklasswagen konnten nun einheitliche Intercity-Züge gebildet werden. Nach einigen Umbauten sind Wagen dieses bewährten Typs heute für Pendelzüge mit Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h eingerichtet.
Am 8. Juni 1983 eröffneten die SBB in der Nähe von Murten das Ausbildungszentrum Löwenberg, wo seither zahlreiche Ausbildungskurse stattgefunden haben.

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Wie die Bundesstadt vor 150 Jahren schrittweise ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde
litra. Ganz behutsam näherte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts die neumodische Eisenbahn der Bundesstadt. Am 16. Juni 1857 konnten die Züge von Aarburg über Herzogenbuchsee bis ins Wylerfeld fahren. Dort war aber für fast anderthalb Jahre Endstation. Da damals weder die Lorrainebrücke noch die beiden Hochbrücken zur Verfügung standen, führte der Weg der Fussgänger vom Wylerfeld ins Stadtzentrum über die im Auftrag der Schweizerischen Centralbahn (SCB) erstellte Kettenbrücke (Altenbergsteg). Die mit Pferdekutschen sichergestellte Omnibusverbindung schlug hingegen den (Um-)Weg über die Nydeggbrücke zur damaligen Post an der Kramgasse ein.
Im April 1856 begannen die Montagearbeiten für den Bau der «Roten Brücke» (sie erhielt ihren Namen wegen ihres vor Rost schützenden Menninganstrichs). Schon am 25. August 1858 konnte der untere Teil der ersten eigentlichen Hochbrücke von Bern für den Wagen- und Fussgängerverkehr freigegeben werden, während am 18. Oktober 1858 das weit herum beachtete Wunderwerk der Technik ganz vollendet war. Am 12. November 1858 war es dann soweit, dass die Dampfzüge der Schweizerischen Centralbahn vorerst in einen provisorischen Bahnhof in der Villette einfahren konnten. Es dauerte dann noch fast anderthalb Jahre, bis am 1. Mai 1860 die Bundesstadt mit dem viergleisigen Kopfbahnhof ihren definitiven Anschluss an die Eisenbahnwelt endlich gefunden hatte! Zum Vergleich: Basel kam schon 1845 und Zürich 1847 zu einem Bahnhof.



So fand das Schweizer Eisenbahnnetz den Anschluss an die weite Welt
litra. Zum Zeitpunkt der «vollen Blüte» bestanden insgesamt 17 Schienenverbindungen zwischen der Schweiz und Frankreich, 11 Verbindungen nach Deutschland, 6 nach Italien und je eine nach Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein. Dabei ist die erste Verbindung zwischen Strassburg und Basel insofern bemerkenswert, als damit auch die erste Eisenbahn auf Schweizer Boden entstand. Inzwischen sind insgesamt 10 Schienenübergänge ins Ausland aufgehoben worden; lediglich die Strecke zwischen Boncourt und Delle ist erneut zu neuem Leben erwacht, während die Linie Malnate–Stabio bald Bestandteil einer Bahnverbindung zwischen dem Tessin und dem Flughafen Malpensa bilden soll. Eröffnungsdaten im Detail am Schluss unter Download (grenzüberschreitende Tramverbindungen sind hier nicht berücksichtigt)


Aus den Annalen der Glattalbahn
litra. Im Glatttal (so die neue Rechtschreibung) konnte vor 150 Jahren als dritte Etappe die Strecke von Wetzikon nach Rüti ZH eröffnet werden; später folgte dann die Fortsetzung nach Rapperswil–Ziegelbrücke–Glarus. Eine reich illustrierte Broschüre zur wechselvollen Geschichte dieser Bahnstrecke ist im Th. Gut Verlag in Stäfa unter dem Titel «Aus den Annalen der Glattalbahn» erhältlich. Telefon 044 928 52 11 http://www.gutverlag,ch

Download

Anschluss_des_Schweizer_Eisenbahnnetzes_an_die_weite_Welt.pdf (22.5 kB)

Jubilierende_Linien_im_Jahre_2008.pdf (36.2 kB)

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