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Vor 175 Jahren begann Kursschifffahrt auf Zürich- und Thunersee

Bahn-, Tram-, Bus- und Schifffahrtsjubiläen im Jahr 2010


litra. (29.9.2009) Auch im kommenden Jahr können zahlreiche Bahn- Tram-, Bus- und Schifffahrtslinien einen runden Geburtstag feiern: Vor 175 Jahren begann die Kursschifffahrt auf dem Zürichsee und auf dem Thunersee. Nicht weniger als neun Bahnstrecken wurden vor 150 Jahren eröffnet, während es vor 125 Jahren lediglich eine Standseilbahn war. Von den neun Bahnen, die 2010 hundert Jahre alt geworden wären, sind zwei inzwischen auf Autobus umgestellt worden. Acht neue Luftseilbahnen entstanden schliesslich vor 50 Jahren und deren zehn vor 25 Jahren.

Vor 175 Jahren begann die Kursschifffahrt auf dem Zürichsee und dem Thunersee
Am 19. Juli 1835 verkehrte als erstes eisernes Dampfschiff in Zentraleuropa der Raddampfer «Minerva» von Zürich nach Rapperswil und zurück und leitete ab 24. Juli 1835 die fahrplanmässige Kursschifffahrt auf dem Zürichsee ein. Das in England erbaute Dampfschiff konnte 800 Personen sowie Güter fassen; bis genügend Landungsstege errichtet waren, mussten die Passagiere und die Güter bei jedem Wetter mit kleinen Booten zum Schiff gebracht werden.

Auf dem Thunersee begann knapp zwei Wochen später ebenfalls das Dampfschiff-Zeitalter; am 31. Juli 1835 soll das in Frankreich erbaute Schiff «Bellevue» seine umjubelte Jungfernfahrt absolviert haben. Die ursprünglich pedalbetriebene Trompetenmechanik erfreute damals die Schiffspassagiere mit einer Reihe populärer Weisen. Dieses von Uhrmacher Leuenberger aus Sumiswald erstellte Unikum ist noch heute im Schloss Thun zu besichtigen und zu hören.

Sieben 150-jährige Bahnstrecken – erste Betriebseinstellung
Den Start der vor 150 Jahren eröffneten neun Bahnstrecken machte am 10. Mai 1860 die Linie von Martigny nach Sion, die von der damaligen Bahngesellschaft «Ligne d’Italie» betrieben wurde und heute Teilstück der internationalen Bahnstrecke durchs Wallis bildet. Im Juni erfolgte dann die Verlängerung der von Strassburg herkommenden Bahnlinie bis zum Basler Centralbahnhof; dies bedingte verschiedene Linienverlegungen im Raume Basel.

Am Juli 1860 kamen dann die Bahnstrecken von Bern nach Balliswil (provisorischer Bahnhof zwischen Düdingen und dem Grandfey-Viadukt, der zwei Jahre später dank der Verlängerung der Bahn Richtung Freiburg–Lausanne wieder aufgehoben wurde), jene von Les Hauts-Geneveys nach Convers sowie die Strecke von Auvernier über Les Verrières nach dem französischen Pontarlier hinzu. Erst am 1. November 1860 gelang dann die Bahneröffnung zwischen Bex und Les Paluds (Einmündung der im Jahr zuvor eröffneten Linie von Bouveret), während am 3. Dezember 1860 die Bahnstrecke von Frienisberg (provisorischer Bahnhof bei Le Landeron) nach Biel/Bienne eröffnet werden konnte. Damit ersparte man den aus der Westschweiz anreisenden Passagieren das bisherige Umsteigen auf die Bielerseeschiffe. Die damit überflüssig gewordene 840 Meter lange Bahnstrecke von Nidau nach Biel/Bienne wurde anschliessend – nach gut zwei Jahren Betriebszeit – wieder eingestellt.

Vor 125 Jahren wurde einzig die Marzilibahn eröffnet
Am 18. Juli 1885 konnte in Bern die Marzilibahn in Betrieb genommen werden. Die mit 105 Metern kürzeste Standseilbahn der Schweiz wird seit Bestehen von der Berner Bevölkerung sehr geschätzt. Ursprünglich bildete Wasser aus dem Stadtbach die Antriebsenergie. Es wurde in den Tank des oberen Wagens gefüllt und drückte diesen talwärts. Später wurde die Bahn aus dem Netz der städtischen Wasserversorgung gespiesen. Erst in den Jahren 1973 und 1974 fand der Umbau auf den heute bestehenden automatisierten Betrieb mit elektrischem Antrieb statt; dabei mussten auch die beiden Wagen sowie das im «Laubsägeli-Stil» erbaute Marzili-Stationshäuschen dem Fortschritt weichen. Seit Oktober 1992 wird Strom für die Marzilibahn photovoltaisch auf dem benachbarten Verwaltungsgebäude Taubenhalde produziert; eine Informationstafel bei der Bergstation orientiert über die aktuellen Produktions- und Verbrauchsmengen.

Vor 100 Jahren wurden zahlreiche Bahn- und Tramlinien sowie Standseilbahnen eröffnet
Nicht weniger als 9 Bahnlinien, 9 Tramlinien und 4 Standseilbahnen konnten vor hundert Jahren in Betrieb genommen werden. Erwähnt seien hier die grenzüberschreitende Strecke Flüh–Leymen (F)–Rodersdorf der Birsigtalbahn, die Strecke Ospizio Bernina–Poschiavo der Berninabahn, die Strecke von Martigny im Rhonetal nach Orsières im Val d’Entremont, die Rickenbahn von Wattwil nach Uznach, die Stammlinie der Bodensee–Toggenburg-Bahn von Romanshorn über St. Gallen nach Wattwil mit dem imposanten, 366 Meter langen und 99 Meter hohen Sitter-Viadukt zwischen St. Gallen und Herisau sowie die heute eingestellte internationale Bahnstrecke von Bonfol nach Pfefferhouse–Dannemarie. Hier wurde der Personenverkehr anno 1946 eingestellt und die Linie 1970 vollständig aufgehoben.
Tramstrecken entstanden anno 1910 in Zürich, Bern, Lugano, Mendrisio/Chiasso (1948–1950 umgestellt auf Autobus), Neuchâtel, St. Gallen und Basel. Unter den vor hundert Jahren eröffneten Standseilbahnen sind die beiden Sektionen der Niesenbahn, die seit 1992 eingestellte Bahn von Territet nach Mont-Fleuri, die Strecke von La Coudre auf den Chaumont, den Hausberg der Neuenburger, und schliesslich jene von Les Avants nach Sonloup (wo ursprünglich eine Hängebahn mit eisernen Pfeilern geplant war) zu nennen.

Vor 75 Jahren wurde lediglich eine Standseilbahn und eine Buslinie eröffnet
Recht mager sieht die Jubilarenliste des Jahrs 1935 aus: Dem öffentlichen Verkehr geöffnet wurde damals die Standseilbahn Le Châtelard–Château-d’Eau, die bereits 1921 für den Materialtransport zu den Kraftwerken der SBB erbaut worden war. Weiter sorgt seit 75 Jahren eine Buslinie für die Verbindung der Bundesstadt mit Felsenau und Bremgarten bei Bern.

Acht neue Seilbahnen im Jahr 1960, der Gyrobus verschwindet in Yverdon
Gleich acht neue Luftseilbahnen wurden vor 50 Jahren eröffnet, wobei der Dezember mit fünf Bahneröffnungen hervorsticht. Gänzlich eingestellt wurde in diesem Jahr der Trambetrieb in Locarno. Ebenfalls auf Autobus umgestellt wurde die Spiezer Verbindungsbahn, die seit 55 Jahren für die Verbindung vom Hafen zum Bahnhof gesorgt hatte. Ebenfalls eingestellt wurde das Tram zum Hotel Riffelalp; erfreulicherweise konnte die mit 468 Metern kürzeste und höchstgelegene Tramstrecke Europas am 21. Juni 2001 mit Batteriebetrieb wieder reaktiviert werden. Lediglich sieben Jahre dauerte schliesslich der Gyrobusbetrieb in Yverdon, da sich die technisch interessante Lösung nicht hatte durchsetzen können.

Vor 25 Jahren: Zehn neue Seilbahnen
Vor 25 Jahren wurden insgesamt zehn neuen Seilbahnen eröffnet, davon nicht weniger als neun im Monat Dezember.

Kästen



Wie Basel zu seinen Bahnhöfen kam
Lediglich aus einem ganz kurzen Stück bestand 1844 das Eisenbahnnetz der Schweiz. Von St-Louis her gelangte die Eisenbahn Strassburg–Basel zu ihrem Endpunkt in der Schweiz. Bei der Betriebseröffnung am 15. Juni 1844 bestand ein provisorischer Bahnhof nahe dem St.-Johanns-Tor, da der erste Bahnhof innerhalb der noch bestehenden Stadtmauern «intra muros» erst am 11. Dezember 1845 auf dem Schellenmätteli eröffnet werden konnte. Am 19. Dezember 1854 folgte dann die Bahnstrecke der Schweizerischen Centralbahn (SCB) vom damaligen provisorischen Basler Bahnhof auf der Luftmatt (Lange Gasse/Engelgasse) nach Liestal.
Anno 1856 drang dann mit der «Grossherzoglich Badischen Staatseisenbahn» die nächste ausländische Bahn in schweizerisches Territorium vor; es war die Strecke von Haltingen zum Basler Badischen Bahnhof. Am 4. Februar 1856 kam dann die rechtsrheinische Strecke von Säckingen bis zum Badischen Bahnhof hinzu. Dieser befand sich dort, wo heute die Hallen der Messe Basel stehen. Rund 18 Jahre lang mussten die Reisenden auf eine durchgehende Bahnverbindung mit der übrigen Schweiz warten, da erst anno 1873 die so genannte Basler Verbindungsbahn mit der Eisenbahnbrücke über den Rhein zustande kam.
Basel besass nun drei getrennt errichtete Bahnhöfe: Den Französischen Bahnhof, den provisorischen Bahnhof der SCB vor dem Aeschentor und den Badische Bahnhof in Kleinbasel. Vorteilhaft wäre ein gemeinsamer Bahnhof für alle drei in Basel einmündenden Bahnen gewesen. Die Grossherzoglich Badische Staatseisenbahn wollte aber keineswegs auf ihren «Basler Hauptbahnhof» verzichten; sie strebte das Verlegen aller Bahnstecken auf die rechte Seite des Rheins an.
Der Bau eines gemeinsamen Bahnhofs für die Französische Ost-Bahn (als Nachfolgerin der Strassburg–Basler Eisenbahn) und die Schweizerische Centralbahn erschien hingegen durchführbar. Während die Stadt einen für das Publikum vorteilhaften und bequem erreichbaren Kopfbahnhof am Aeschenplatz vorsah, befürwortete die SCB aus baulichen und betrieblichen Gründen einen Durchgangsbahnhof auf dem freien Feld vor dem EIisabethenbollwerk, am heutigen Standort des Bahnhofs Basel SBB. Die Kosten des Landkaufs trug die Stadt, die Baukosten für den Centralbahnhof die SCB.
Bereits am 4. Juni 1860 – also vor 150 Jahren – konnte der Bahnbetrieb im neuen Basler Centralbahnhof zunächst in provisorischen Gebäuden aufgenommen werden. Erst im Mai 1861 waren auch die Innenräume fertig gestellt. Da der Centralbahnhof von 1860 im Laufe der Zeit den Anforderungen des Bahnbetriebs nicht mehr genügte, wurden am gleichen Standort neue Gebäude errichtet und am 24. Juni 1907 eingeweiht – der Bahnhof nennt sich nun «Basel SBB».


Drama im Rickentunnel
Der am 1. Oktober 1910 eröffnete, rund 8,6 km lange Rickentunnel der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zwischen Kaltbrunn und Wattwil liegt in einer Steigung von rund 16 ‰. Über einen tragischen Unglücksfall ist im Geschäftsbericht 1926 der SBB folgende Schilderung zu finden:
«Am 4. Oktober 1926 ist ein bergwärts fahrender Güterzug wegen ungenügender Dampfentwicklung im Tunnel steckengeblieben. Da die ungünstigen Witterungsverhältnisse jeden Luftzug in der Tunnelröhre verhinderten, kam das gesamte aus sechs Mann bestehende Fahr- und Zugspersonal durch das aus der stillstehenden Lokomotive ausströmende Kohlenoxydgas ums Leben. Bei der von der Station Wattwil aus eingeleiteten Rettungsaktion erlitten weitere drei Bedienstete wegen Kohlenoxydgasvergiftung den Tod. Die Strecke Rapperswil–Wattwil wird bis Mitte Mai 1927 elektrifiziert sein.»


Der Gyrobus von Yverdon
Am 1. Oktober 1953 konnte Yverdon mit einer Weltneuheit aufwarten: Von diesem Tag an verkehrte auf der 4,5 km langen Strecke Condémines–Bel-Air–Tuileries-de-Grandson zwei Gyrobusse. Am Abend sowie am Wochenende wurden einige Kurs bis Grandson verlängert. Was war das besondere an diesem Betriebssystem? Die Strassenfahrzeuge – eine Entwicklung der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) – sollten die Vorteile des elektrischen Betriebs mit der Unabhängigkeit von einer Fahrleitung kombinieren. Die Energie wurde beim Halt von einer Fahrleitung aufgenommen und im Fahrzeug mit einem grossen Schwungrad gespeichert. Die beiden Fahrzeuge funktionierten zwar zur vollen Zufriedenheit, doch liess die Begeisterung der Bevölkerung sehr zu wünschen übrig: Nach einem ersten Enthusiasmus sanken die Fahrgastzahlen derart, dass der Fahrplan schrittweise reduziert werden musste. Wegen finanziellen Schwierigkeiten ersetzte ab 1. November 1960 – also vor einem halben Jahrhundert – ein Autobusbetrieb den bisherigen Pionierbetrieb. Die technisch interessante Lösung hatte Schiffbruch erlitten. Auch die Versuche, die Gyrobusse an die Flughäfen Genève-Cointrin, Basel-Mulhouse oder Zürich-Kloten zu verkaufen, schlugen fehl.

Download

Verzeichnis der Betriebsjubiläen 2010

Jubilierende_Betriebe_2010.pdf (21.1 kB)

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