Ausländisches Lob für die weitsichtige Verkehrspolitik der Stadt Bern
litra. Ausländisches Lob für ihre Verkehrspolitik erhält die Bundesstadt: Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) vergleicht die Verhältnisse in Bern mit ausgewählten deutschen Städten. Der einhellige Tenor: Dank einer weitsichtigen Verkehrspolitik benützen in der Bundesstadt überdurchschnittlich viele Leute die öffentlichen Verkehrsmittel.
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) in Berlin hat im Auftrag des Umwelt-Bundesamtes Berlin in ausgewählten europäischen Städten die Wechselwirkungen zwischen Siedlungsentwicklung und Verkehr untersucht. Fallbeispiele aus Europa und Nordamerika untersuchten solche Städte, deren Stadtentwicklungsplanung sowie Verkehrsplanung und -politik vergleichsweise vorbildlich erscheinen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Wunsch nach dem Wohnen in den eigenen vier Wänden, und das in grüner, ruhiger Lage, ungebrochen ist, da die Stadt in vielen Bereichen Wohnqualität vermissen lässt. Gleichzeitig erleichtert und fördert der Staat die Flucht in die Umgebung der Städte über Strassenbau und Steuerabzüge. Die Flucht ins Umland zerstört aber oft das, was man damit gewinnen will: die Nähe zur freien Natur. Andererseits ist der immense Autoverkehr in der Stadt überwiegend eine direkte Folge der Stadtflucht und führt gleichermassen zu neuem Wegzug aus städtischen Quartieren. Das Gegenmodell einer nachhaltigen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung – kompakte und funktionsgemischte Städte, in denen Fussgänger- und Veloverkehr sowie die öffentlichen Verkehrsmittel weitgehend Vorrang geniessen – wird zwar propagiert, ist aber in der praktischen Umsetzung bisher erst in Ansätzen verwirklicht worden.
Mehr Wege mit Tram, Bus oder Bahn als mit dem Auto Die Studie des Difu kommt zum Schluss, dass Städte, die schon seit längerer Zeit versuchen, dem Leitbild der kompakten Stadt und umweltschonenden Mobilität zu folgen, nachweisbar erfolgreicher sind als andere. Im Vergleich mit durchschnittlichen westdeutschen Städten konnten sie die Stadtflucht verringern, ihre Einwohnerzahl stabilisieren oder sogar wieder erhöhen. Der Flächenanteil für Siedlungen und Verkehr ist geringer, stadt- und umweltverträgliche Mobilität mit Bahn, Bus, Velo und zu Fuss spielt eine grössere Rolle. Die Zahl der Autos, der Autofahrten und der zurückgelegten Personenkilometer pro Einwohner ist geringer und damit auch die Umweltbelastung. So umfasst beispielsweise die durchschnittliche Siedlungsfläche (einschliesslich Verkehrsfläche) der Stadtregion Bern rund 210 Quadratmeter pro Einwohner gegenüber 260 bis 300 Quadratmeter in vergleichbaren deutschen Städten. Auch der Autobestand ist mit rund 390 pro 1000 Einwohner ebenfalls deutlich kleiner als in vergleichbaren deutschen Städten mit 450 bis 500 Autos. Das öV-orientierte Stadtentwicklungskonzept, gepaart mit einer ebenso öV-orientierten kantonalen Raumordnung, trägt zu diesem guten Ergebnis bei.
| Stadt | Einwohner 1994 | Stadtgebiet in km2 | Siedlungsfläche in km2/Einwohner | Autobestand | Auto/1000 Einwohner | | Region Bern | 297’000 | 317 | 208 | 117’000 | 393 | | Bielefeld | 324’000 | 258 | 297 | 157’400 | 485 | | Braunschweig | 258’000 | 192 | 277 | 121’800 | 475 | | Karlsruhe | 279’000 | 173 | 266 | 135’600 | 488 | | Münster | 267’000 | 302 | 302 | 122’700 | 459 | | Wiesbaden | 268’000 | 204 | 260 | 165’800 | 612 | Eine kompakte Stadtstruktur muss keineswegs trostlosen Massenwohnungsbau bedeuten, ganz im Gegenteil: Es gibt viele Beispiele für alte und neue Stadtquartiere mit mittlerer und hoher Bebauungsdichte, die wegen ihrer Wohnqualität allgemein geschätzt werden. Wichtige begleitende Massnahmen sind die Aufwertung des Wohnumfeldes und der Strassenräume wie begrünte Höfe, Strassenbäume, Spielflächen sowie eine generelle Verkehrsberuhigung. Alle diese Massnahmen zusammengenommen können langfristig den Autoverkehr um 20 bis 30 Prozent senken. Noch laufen die Trends der Siedlungsentwicklung in eine Richtung, die mit Sicherheit nicht nachhaltig ist. Eine Trendumkehr bedarf auch der Reform von übergeordneten staatlichen Rahmenbedingungen. Zu deren wichtigsten gehört eine ökologische Steuerreform, die etwa den Flächenverbrauch bisher unbebauter Landschaft und den Energieverbrauch angemessen besteuert und andere Bereiche entsprechend entlastet.
Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin (Hrsg.): Kompakt, mobil, urban: Stadtentwicklungskonzepte zur Verkehrsvermeidung im internationalen Vergleich. Berlin 1998. 492 Seiten. ISBN 3-88118-234-9. Erhältlich beim Difu, Postfach 166224, D-10593 Berlin. Die Publikation kann leihweise bezogen werden bei der Infothek SBB, Mittelstr. 43, 3000 Bern 65, Telefon 0512/20 22 12, e-Mail infothek@sbb.ch .
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