Wie kann der Billettverkauf im Bus beschleunigt werden?
litra. (3.12.2008) Das Problem ist bekannt: Die Fahrgäste im Bus bangen bereits um den Anschluss auf ihre S-Bahn, während der Chauffeur noch mit dem Billettverkauf beschäftigt ist. Das kann je nach Billettart und entrichtetem Geldbetrag unterschiedlich lange dauern.
Viele Benützer des öffentlichen Verkehrs kennen das Problem: Sie sitzen in einem Bus und sind schon in Unruhe, ob bei der nächsten Station das Umsteigen auf den Anschlusszug wirklich klappt. Doch der Bus setzt seine Fahrt immer noch nicht fort, da ein Fahrgast offenbar ein kompliziertes Billett kaufen möchte.
Genau diesem Problem ist das Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in einer Studie kürzlich nachgegangen. Beauftragt durch PostAuto Schweiz AG Region Zürich und die Verkehrsbetriebe Glattal VBG wurde im Hinblick auf die Beschaffung einer neuen Generation ortsfester Verkaufsgeräte wissenschaftlich der Billettverkauf durch die Bus-Chauffeure im Überlandverkehr intensiv untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die Bedeutung der einzelnen Einflussgrössen auf die Betriebsabwicklung und -stabilität noch zu wenig bekannt sind, zum Beispiel das Zusammenwirken von:
- Billettsortiment und Verkauf durch den Chauffeur
- Zahl der Kunden und deren Verhalten
- Betriebscharakteristiken hinsichtlich Anschluss-Sicherung, Haltestellendichte, Fahrplan
- Aufgaben und Verhalten des Chauffeurs
- Anforderungen an die Verkehrssicherheit
- Externe Faktoren wie Wetter, Individualverkehrsaufkommen, Baustellen.
Mit der Studie des IVT sollten folgende Fragen geklärt werden:
- Welche Faktoren beeinflussen hauptsächlich den Billettverkauf und wie gross sind die Einflüsse auf die Teilprozesse (Streuungsmass, Erwartungswerte, Mittelwerte)?
- Wie könnten Zeitaufwand und zeitliche Streuung des Billettverkaufs beeinflusst werden?
- Wie häufig und in welcher Form treten Billettverkäufe auf?
- Wie wirkt sich der Billettverkauf gesamthaft auf den Linienbetrieb aus, insbesondere in Abhängigkeit von Füllgrad des Fahrzeugs, Gesamtsumme der am Fahrgastwechsel beteiligten Personen, Anteil Billettkäufer usw.?
- Lassen sich davon ausgehend die Einsatzgebiete des Billettverkaufs durch den Chauffeur definieren?
Zur Klärung all dieser Fragen wurde eine Prozessanalyse der Busfahrt vorgenommen, dann der Billettverkaufsprozess vertieft untersucht und die Dauer von Teilprozessen des Billettverkaufs mittels Laboruntersuchungen ermittelt. Sodann wurden die Häufigkeit und der Einfluss des Billettverkaufs ermittelt, damit entsprechende Empfehlungen ausgearbeitet werden konnten.
Der Billettverkauf verläuft üblicherweise parallel zum Fahrgastwechsel und erfolgt durch den Fahrer mit Hilfe eines Billettausgabegeräts. Lediglich grössere Haltestellen (insbesondere Umsteigehaltestellen der S-Bahn) sind mit stationären Billettautomaten oder einer bedienten Verkaufsstelle ausgerüstet, so dass die Fahrgäste ihr Billett bereits an der Haltestelle lösen können.
Die Untersuchungen des IVT (für Details sei auf die Studie verwiesen) ergaben, dass besonders dann viel Zeit benötigt wird, wenn der Kunde mit einer grossen Geldnote bezahlt. Der Chauffeur muss dann nämlich die benötigten kleineren Geldnoten aus einem separaten Depot holen und schliesslich die eingenommene Geldnote dort versorgen. Die Fahrgäste sollen daher ersucht werden, wenn möglich bereits den abgezählten Billettpreis bereit zu halten. Eine Einschränkung des Verkaufssortiments (z.B. der Verzicht auf den Verkauf von Mehrfahrtenkarten) dürfte sich hingegen kontraproduktiv auswirken, da diese Kunden zwar einmal einen Fahrausweis kaufen, dann aber bei fünf weiteren Fahrten lediglich die Mehrfahrtenkarte zu entwerten haben.
Allenfalls ist die Kundeninformation an den Haltestellen ohne Billettautomaten zu verbessern, damit die Kunden bereits vor dem Besteigen des Fahrzeuges über das Billettsortiment (Geltungsdauer, Fahrpreise) umfassend informiert sind und den Billettpreis möglichst bereits abgezählt bereit halten können.
In einzelnen Fällen dürfte sich gar das Aufstellen eines Billettautomaten im Fahrzeug lohnen, damit auf den Billettverkauf durch den Fahrer verzichtet werden kann. In Kauf zu nehmen ist dabei eine grössre Störungsempfindlichkeit sowie das Problem, dass Schwarzfahrer vor dem Erkennen von Kontrolleuren kurzfristig ein Billett kaufen können.
Kasten Mithilfe der Fahrgäste erwünscht litra. Beim Billettverkauf im Bus können die Fahrgäste durch ihr Verhalten viel dazu beitragen, dass die Weiterfahrt speditiv vorgenommen werden kann. So bitten in den Bussen der FART (Ferrovie Autolinee Regionali Ticinesi) zweisprachige kleine Hinweise die Fahrgäste um ihre Mithilfe: Moneta contata – orario rispettato. Fahrpreis abgezählt – Fahrplan eingehalten.
Schnellkurse ohne Billettverkauf im Bus litra. Auf einigen Buslinien rund um den Zürcher Flughafen sind im Fahrplan einzelne Kurse als so genannter «S-Bus» speziell vermerkt, in dem kein Billettverkauf stattfindet. So ist ein zügiges Vorankommen und ein Einhalten von wichtigen Bahnanschlüssen gewährleistet.
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