LITRA Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr

"Wie einst das Auto, bietet heute der öffentliche Verkehr einen neuen Lebensstil: schnell und komfortabel, schafft der öV Zeiträume."

Michel Joye, Direktor der Lausanner Verkehrsbetriebe

Preisträger 2015

Bildlegende: v.l. Pierre-Alain Bourgois, Peter Bieri, Eveline Widmer-Schlumpf, Marielle Müller, Widar von Arx, Ueli Weidmann und René Böhlen

An der 79. Mitgliederversammlung vom 24. September 2015 der LITRA wurden zwei Gewinner des Prix LITRA ausgezeichnet. 

Marielle Müller untersuchte in ihrer Masterarbeit am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich Ansätze zur radikalen Vereinfachung des heutigen Preismodells im öffentlichen Verkehr. Ziel ist, die Preisbildung für Kunden transparenter zu gestalten und gleichzeitig das Ertragsniveau für die Mobilitätsanbieter zu erhalten. Frau Müller entwickelte und bewertete fünf verschiedene Modelle. Als Bestvariante erwies sich ein produktorientierter, minutengenauer Zeittarif verbunden mit einem elektronischen Ticketsystem. Am Beispiel des ZVV konnte die Autorin die Auswirkungen auf das Angebot exemplarisch aufzeigen – so werden beispielsweise kurze Verbindungen tendenziell günstiger als heute, längere eher teurer. Das Fallbeispiel Liechtenstein bestätigt, dass das Ertragsniveau beibehalten oder sogar leicht gesteigert werden kann. Die Studie leistet insgesamt einen wertvollen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion über ein zukünftiges Tarifsystem.
zu den Prix Litra Publikationen

Pierre-Alain Bourgeois analysierte in seiner Masterarbeit am Institut des hautes études en administration publique der Universität Lausanne die Gründe für die Veränderung der Schweizer Verlagerungspolitik im alpenquerenden Güterverkehr seit der Annahme der Alpeninitiative durch das Stimmvolk. In seiner historischen Analyse stellt er fest, dass das ursprüngliche Verlagerungsziel «von der Strasse auf die Schiene» zunehmend in den Hintergrund gerückt ist. Die Ursachen dafür erkennt er in der anhaltend angespannten Wirtschaftslage in der Schweiz und der EU, unterschiedlichen Prioritäten der nationalen gegenüber der internationalen Verkehrspolitik, regulatorischen Veränderungen im Schienenverkehr sowie einem schwindenden Bekenntnis zu den Verlagerungszielen bei Politik und Verwaltung. Die Arbeit illustriert anschaulich, wie Schwerpunkte und Umsetzung eines vom Volk beschlossenen Vorhabens sich über die Jahrzehnte je nach politischem, ökonomischem und gesellschaftlichem Kontext verändern können.
(Masterarbeit nicht verfügbar)