19. 03. 2026
19. 03. 2026
Sessionsveranstaltung: Bundesrat Albert Rösti im Austausch mit der öV-Branche
Im Rahmen der Frühlingssession lud die LITRA zu ihrer traditionellen Sessionsveranstaltung ins Berner Bellevue Palace ein. Im Zentrum der Veranstaltung stand das Projekt Verkehr ‘45, mit dem der Bundesrat die strategischen Eckwerte für die Weiterentwicklung der Schweizer Verkehrsinfrastrukturen bis ins Jahr 2045 festgelegt hat. Als Ehrengast nahm Bundesrat Albert Rösti, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), an der Veranstaltung teil und stellte die Überlegungen des Bundesrats persönlich vor.
Bundesrat Albert Rösti und LITRA-Präsident Martin Candinas posieren mit der abtretenden SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar sowie dem scheidenden BAZL-Direktor, Christian Hegner. © LITRA
Der öffentliche Verkehr wächst; und mit ihm die Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur der Schweiz. Wie Strasse und Schiene bis 2045 weiterentwickelt werden sollen, stand im Zentrum der LITRA-Sessionsveranstaltung während der Frühlingssession.
Das Interesse war entsprechend gross: Mit 150 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verkehrsbranche wurde gar ein neuer Teilnehmerrekord erzielt. Insbesondere der Auftritt von Bundesrat Albert Rösti, der die Eckwerte des Projekts Verkehr ’45 präsentierte, machte die Veranstaltung zu einem besonderen Höhepunkt.
Verkehrssystem als zentraler Standortfaktor
Eröffnet wurde die Veranstaltung von LITRA-Präsident Martin Candinas, der die zentrale Bedeutung eines leistungsfähigen Verkehrssystems für die Schweiz unterstrich. «Die Schweiz will auch in Zukunft über eines der besten und gut unterhaltenen Verkehrssysteme der Welt verfügen. Ein solches System ist nicht nur für die Mobilität unserer Bevölkerung zentral. Es ist auch ein wichtiger Standortfaktor und eine wesentliche Grundlage für den Erfolg unserer Wirtschaft.»
Besonders im öffentlichen Personenverkehr zeigen sich derzeit sehr positive Entwicklungen. Die Nachfrage auf der Schiene wächst seit mehreren Jahren kontinuierlich und hat zuletzt neue Rekordwerte erreicht. Die Schweiz bleibt damit weiterhin Europameisterin im Bahnfahren.
Rekord im Schienenpersonenverkehr: Seit 19 Quartalen wachsen die Personenkilometer gegenüber dem Vorjahr. © LITRA
Der heutige Erfolg des Schweizer Verkehrssystems sei auch das Ergebnis politischer Weitsicht und langfristiger Investitionen der öffentlichen Hand. Bund, Kantone und Gemeinden haben über Jahrzehnte hinweg grosse Mittel in den Ausbau und Unterhalt der Verkehrsinfrastrukturen investiert.
Schiene gewinnt an Bedeutung
Historisch floss ein deutlich grösserer Anteil der öffentlichen Mittel in die Strasseninfrastruktur: Zwischen den 1960er-Jahren und der Jahrtausendwende standen insbesondere der Aufbau und der Ausbau des Nationalstrassennetzes im Vordergrund.
Erst seit den 2000er-Jahren hat der Anteil der Investitionen in die Schieneninfrastruktur deutlich zugenommen – unter anderem dank grosser Projekte wie der NEAT oder Bahn 2000.
Rund zwei Drittel der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen flossen in den letzten Jahrzehnten in die Strasse. Seit der Jahrtausendwende gewinnt der öffentliche Verkehr an Bedeutung. © LITRA
Insgesamt entfielen in den letzten rund 60 Jahren etwas weniger als ein Drittel der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen auf die Schiene und etwas mehr als zwei Drittel auf die Strasse.
Diese Entwicklung zeigt, dass der öffentliche Verkehr heute eine zunehmend zentrale Rolle im Schweizer Verkehrssystem spielt und auch künftig gezielte Investitionen benötigt, um mit der steigenden Nachfrage Schritt halten zu können.
Finanzierung bleibt zentrale Herausforderung
Gleichzeitig machte Martin Candinas deutlich, dass der Mobilitätsbereich aktuell vor bedeutenden finanzpolitischen Herausforderungen steht. Der Verkehrsbereich habe bereits substanzielle Sparbeiträge geleistet – etwa beim Regionalen Personenverkehr und im Rahmen des Entlastungspakets 2027.
Für die LITRA ist deshalb klar: Auch künftig müsse sichergestellt werden, dass die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur langfristig stabil bleibt und Planungssicherheit für die Branche gewährleistet ist. «Entscheidend ist dabei, dass wir den Nutzen für die Kundinnen und Kunden stets im Zentrum behalten. Die Menschen interessieren sich in erster Linie für gute, zuverlässige Verbindungen und weit weniger für die dahinterstehende Infrastruktur.»
Bundesrat Albert Rösti präsentierte die Eckwerte von Verkehr ’45 und sorgte mit seinem sympathischen Auftritt auch für den einen oder anderen Lacher. © LITRA
Klare Prioritäten bei zukünftigen Ausbauten
Angesichts dieser Entwicklung wird eine sorgfältige Priorisierung der Infrastrukturprojekte immer wichtiger. Entscheidend sei, dass die verfügbaren Mittel möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden. «Ohne eine ausreichende und langfristig gesicherte Finanzierung der Fonds für Strasse und Schiene bleiben sämtliche Ausbaupläne letztlich Makulatur.»
Neben der Finanzierung stand auch die Frage im Zentrum, wie sich die zukünftige Verkehrspolitik politisch mehrheitsfähig gestalten lässt. Nach dem Nein zum Autobahnausbau im Jahr 2024 stellt sich verstärkt die Frage, wie Infrastrukturvorlagen künftig ausgestaltet werden müssen, um sowohl im Parlament als auch an der Urne Unterstützung zu finden.
Neuer Besucherrekord: Über 150 Gäste verfolgten den LITRA-Anlass im Rahmen der Frühjahrssession und den Auftritt von Bundesrat Albert Rösti. © LITRA
Bundesrat Rösti präsentiert die Eckwerte von Verkehr ’45
Mit diesen Fragen befasst sich auch der Bundesrat. Entsprechend gross war das Interesse der geladenen Gäste an den Ausführungen von Ehrengast Bundesrat Albert Rösti. Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) präsentierte die Eckwerte des Projekts Verkehr ’45, mit welchem der Bundesrat die strategische Grundlage für die Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur bis 2045 festlegt. Im Zentrum stehen Fragen der Kapazitätsentwicklung, der Finanzierung sowie der Priorisierung zukünftiger Infrastrukturprojekte.
«Die Schweiz hat das beste Schienen- und Strassennetz der Welt. Es ist meine Aufgabe, dass das auch in 20 Jahren noch zutrifft. Dafür braucht es eine klare Planung für eine ausgewogene, gut abgestimmte Weiterentwicklung von Schiene, Strasse und Agglomerationsverkehr. Mit der Vorlage Verkehr ’45 wollen wir die verfügbaren Mittel und die beschlossenen Ausbauprojekte besser aufeinander abstimmen. Damit bleibt die Mobilität in der Schweiz auch in Zukunft zuverlässig, leistungsfähig und finanzierbar», betonte Bundesrat Albert Rösti.
Im anschliessenden Gespräch mit LITRA-Geschäftsführer Michael Bützer wurden zentrale Aspekte der Vorlage vertieft. Diskutiert wurden insbesondere die langfristige Finanzierung der Bahninfrastruktur, die Priorisierung zukünftiger Ausbauprojekte sowie die politische Mehrheitsfähigkeit kommender Verkehrsvorlagen.
Dabei wurde deutlich, dass die kommenden Jahre von wichtigen verkehrspolitischen Weichenstellungen geprägt sein werden. Verkehr ’45 soll den Rahmen dafür bilden, wie Strasse und Schiene gemeinsam weiterentwickelt werden und wie die steigende Nachfrage nach Mobilität langfristig bewältigt werden kann.
Die Podiumsdiskussion zwischen LITRA-Geschäftsführer Michael Bützer und Bundesrat Albert Rösti zu Verkehr ’45 stiess auf grosses Interesse. © LITRA
Die politische Diskussion über die Verkehrsinfrastruktur beginnt jetzt
Zum Abschluss betonte Martin Candinas, dass mit den Eckwerten von Verkehr ’45 nun ein wichtiger strategischer Rahmen vorliegt. «Die Diskussion über die Weiterentwicklung unserer Verkehrsinfrastrukturen wird uns nun intensiv beschäftigen. Denn diese Vorlage hat weitreichende Auswirkungen auf die Mobilität in unserem Land.» Bereits im nächsten Jahr sollen die entsprechenden Vorlagen im Parlament beraten werden.
Angesichts der Bedeutung der Verkehrsinfrastrukturen für die Mobilität, die Wirtschaft und die Klimapolitik ist klar: Die Debatte über Verkehr ’45 wird die Verkehrspolitik der kommenden Jahre wesentlich prägen.